gestern das buch „ceux qui s’aiment se laissent partir“ von l. balavoine angefangen. im vergleich zum a. ernaux buch muss ich kaum das wörterbuch verwenden, um es zu lesen. es handelt von 1 großmutter-mutter-tochter-beziehung, kontinuitäten und differenzen, von psychischer erkrankung, die sich durch die biographien zieht. „Le journal intime de ma fille es là, sous mes yeux. (…) Si je disparaissais, je ne manquerais à personne. Ces mots que j’ai écrits au même âge. Palette monochrome des chagrins identiques. Pourtant ce ne sont pas les mêmes scènes, ni les mêmes acteurs. Je ne suis pas ma mère et ma fille n’est pas moi.“ (S. 97f).
lesen auf französisch fühlt sich für mich immer an, wie wenn ich die wörter zuerst sehe (nicht erfassen kann, ich erfasse zunächst die satzstruktur und die grammatik), dann als würde sich eine lawine lösen und wenn sich der schnee wieder legt, und ich die wörter wieder sehen kann, dass ich sie verstehe. es ist anstrengend, dh es macht mich schwindlig beim lesen, weil es so anders ist, als wenn ich auf deutsch oder englisch lese. aber es fühlt sich auch gut an.
ich dachte bis zum anfang des jahres, also ich hatte schon lange nicht versucht, tatsächlich auf französisch zu lesen. mein anspruch war immer der, dass ich gerne diese philosoph*innen wie cixous oder derrida auf französisch lesen könnte (das schaffe ich aber nicht, daran bin ich immer gescheitert). mir war einfach nicht klar, dass ich aber romane lesen kann (lol auch).
ich habe auch immer das gefühl, dass wie ich mit sprache umgehe, dass das nicht „richtig“ wäre. ich kann nicht „normal“ sprachen lernen – ich habe auch englisch eher darüber gelernt, dass ich einfach angefangen habe, romane zu lesen. aber im kopf habe ich immer die vorstellung, man müsse, um eine sprache zu lernen, täglich vokabel lernen und sprechen und einen kurs besuchen. gleich wie ich beim schreiben nach wie vor das gefühl habe, um „richtig“ zu schreiben, bräuchte ich einen schreibtisch und den fokus auf ein projekt und müsste jeden tag durchgängig mehrere stunden schreiben. obwohl ich das in wirklichkeit noch nie so gemacht habe und es ja trotzdem funktioniert. aber ich kann eigentlich französisch, ich hatte es ja auch 5 jahre in der schule, ich war ja auch während der uni mal für 1 sprachkurs in frankreich, ich habe ja kontinuierlich mit der sprache in irgendeiner form gearbeit, zumindest ist m1 passiver wortschatz gut, und ich verstehe, wie die sprache funktioniert.
ich mache die sachen also, aber ich mache sie zugleich falsch, sagt mein kopf. ich weiß zwar, dass das nicht stimmt. aber das gefühl bleibt.
habe 1 mail an den nulz verteiler geschickt, im september das netzwerktreffen. was ich am nulz mag, ist, dass es so lose ist und dass so viele unterschiedliche personen mit unterschiedlichen zugängen zur literatur beteiligt sind. ich habe nicht das gefühl, es gäbe 1 gruppenidenität. solange ich das gefühl nicht habe, kann ich teil von 1 gruppe sein. sobald ich das gefühl hätte, würde ich automatisch die gruppe in frage stellen, weil ich damit nichts anfangen kann. gruppen sind mir unheimlich, sie funktionieren für mich nur, wenn sie sich ständig so anfühlen, als könnten sie sich sofort wieder auflösen.