Ein Geräusch im Schlafzimmer. Der Boden, muss der Boden sein, bestimmt, die Hitze/Kälte –
Was ich eigentlich denke: Da stehst bestimmt schon wieder du. Hast eine Leiter an die Hausseite gelehnt, bis zwei Stockwerke in die Höhe gestiegen, hast den Vorhang beiseite geschoben und bist durchs offene Fenster eingestiegen. Das sieht nicht schön aus, nicht ästhetisch, ist eine Fleischmasse, die sich durch die Moleküle bewegt, ist meist nur Luft und nur, wenn ich an sie denke, ein beinahe richtiger Körper mit Augen und einem Bauch.
Das bist du. Du bist bestimmt vom Fensterbrett gerutscht, über den Boden geschwommen und als du ins Bett steigen wolltest und dich dazu aufrichten musstest, hat dein Schwerpunkt dich verraten. Nun stehst du beklommen da, weißt nicht, was passiert ist, spürst, dass etwas passiert ist, dass ich es auch nicht weiß, was genau.
Damals wie heute stehen wir in getrennten Zimmern und wissen nichts voneinander.
Ich gehe einen Schritt auf die halboffene Schlafzimmertür zu. Der Boden knirscht unter meinen bloßen Zehen. Durch den Türspalt sehe ich, wie der Vorhang in der Frühsommerbrise weht, der Staub im konzentrierten Sonnenlicht flimmert.
Würde ich noch einen Schritt machen, würde ich dich sehen, dich stehen sehen, mit gesenktem Blick und verkrampften Lippen, angelaufen, aufgelaufen, kein Wir, kein Uns, nur ein Du und ein Ich, durch Schwellen getrennt, vom Blickwinkel verstellt. Würdest du aus deiner Erstarrung fallen und die Luft in dich eindringen, würdest du einen Schritt machen, würdest du mich sehen. Gehen und sehen, zwei aufeinander zufallende Verben in zwei voneinander verfallenen Dimensionen. Wir sind verschwellt.
So stehe ich genauso beklommen da wie du und jeder Moment verwurzelt meine Beine mehr im Parkett und verwässert meinen Blick auf die Kälte/Hitze.
Es ist – ganz – still –
Ich kann deinen angehaltenen Atem hören.