krank

Am liebsten fickst du mich, wenn ich krank bin. Dann liegt mein wehrloser Körper auf meiner Seite des Bettes und du stemmst dich auf deine Ellbogen, beschaust meine Rundungen unter dem Stoff, wie sie sich abgemagert in die Matratze drücken, und wirst hart. Dich macht das an, mein Ausgeliefertsein, meine mangelnde Energie, meine Schmerzen. Hören willst du nichts davon, vom Schmerz, ihn nur sehen und berühren und deinen eigenen in meinem ertränken, dein Leid an mich abgeben über deine Finger in mir und meine Lippen an dir.

Freiwillig lässt du mir Halstuch und T-Shirt, ich interessiere dich nicht, das Ich, das sich hinter dem Schmerz und unter der Kleidung befindet, das ist dir gleich. Es beschmutzt den Schmerz, nimmt ihm seine karminrote Farbe, seine Leidenschaft. Also schaust du nicht hin, wendest dich ab und stellst dir vor, dass ich vor Lust stöhne, meine Lippen verziehe, ja, ja, genau so. Du erwartest die Gegenleistung und ich gebe sie dir und du kommst in ein Taschentuch, das ich pflichtbewusst zwischen uns gelegt habe.

Am liebsten würde ich mich übergeben, aber ich habe Angst vor meinem Inneren.

Nach dem ersten Mal sage ich dir, dass ich das nicht gut finde. Dass du nur meinen Schmerz willst, das finde ich nicht gut, das lässt mich unbefriedigt zurück, das finde ich auch ein bisschen krank, so, da ist das Wort, an dich geheftet statt an mich, krank. Du zuckst mit den Schultern, siehst das nicht so, ich würde das ja nur wegen dem Schmerz so sehen, wegen der Mittel, die ja alles betäuben, auch meine Gefühle. Das denke ich mir, dass du dir vielleicht denkst, denn sagen tust du nichts. Nur Schulterzucken. Nur Nacht um Nacht in mich eindringen, meine Wunden zum Platzen bringen, meine Augen zum Tränen, meine Finger zur Gegenleistung.

Ich habe dich nicht darum gefragt.

Wir spielen das Spiel zwei Wochen lang und ich spiele mit. Dann nimmt die Dosierung meiner Schmerzmittel ab, dann kommt mein Gefühl zurück, dann willst du mich nicht mehr. Ich ziehe mein T-Shirt aus und du willst mich nicht. Ich ziehe meine Seidenstrümpfe an und du willst mich nicht. Ich liege im Bett neben dir und meine Rundungen dringen in die Matratze, voll und rund, und du willst gar nichts.

Du fragst mich nicht, aber ich sage es dir trotzdem: Ich habe mitgespielt, weil ich dachte, danach würde alles besser sein, ein bisschen wie früher, vielleicht sogar besser. Ich habe immer die falsche Karte gezogen, aber ich habe trotzdem mitgespielt. Ich habe immer verloren, aber ich habe trotzdem immer wieder mitgespielt. Ich habe immer wieder versucht, etwas zu retten, das nie zu retten war. Du zuckst mit den Schultern und drehst dich zur Wand.

Als ich das nächste Mal krank bin, lege ich mich auf das Sofa im Raum nebenan. Ich sage, zu deinem Schutz, und meine meinen.

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