• ohne öffentlichkeitswirkung solidarisch

    wenn ich nichts zu tun habe, was auch nicht der fall ist, ich sollte ja arbeiten, auch gerade jetzt, brechen in wellen sachen wieder auf, vor jahren hat 1 kolleg*in mal zu mir gesagt, ich müsse viel härter werden, und vielleicht meint härter nur eine höhere resilienz zu haben, jmd sagt, dass jammern nicht sexy wäre, evtl ist es aufzeigen auch nicht, ich zeige auf, wir zeigen auf, in einem raum, in dem das nicht vorgesehen ist, es war einmal ein gespräch und ich habe gesagt, sie dir seine texte an, wenn es dich interessiert, also wenn das etwas ist, das du aufmachen willst, dann fang bei den texten an, und die texte wurden notiert und es wurde genickt und gesagt, ja, werde ich, und dann habe ich nie wieder etwas von dieser person gehört, und das ist eine art damit umzugehen, und nun soll ich nicht jammern, aber enttäuscht bin ich, aber schreien möchte ich, va wenn ich das feministische marketing sehe, was diese person, aber ich soll nicht jammern und ich soll härter sein, aber wie hart ist es, über machtverhältnisse, über abuse zu reden anstelle sich einen verlagsvertrag auszuverhandeln, wie viel härter soll ich noch werden, als zu sagen, so arbeite ich, das sind meine roten linien, darüber hinaus geht nichts, wie viel härter soll ich das noch statuieren, ich würd manchmal gern kommentieren, lol, eh cute, dass du öffentlich schreibst, dass du deine karriere für deine feministischen ideale gefährden würdest, es ist nur so fucking unglaubwürdig, wenn du in privaten räumen keinen finger gerührt hast, um ohne öffentlichkeitswirkung solidarisch zu sein

  • tie thy lungs to the bay of Naples

    dein Zwillingsbruder hat mich

    auf fragwürdige Weise erzogen; wenn

    du rauchend in deiner Residency

    sitzt, überlegst du, was aus mir

    geworden ist? Die Welt, wie sie war,

    aus Ochsenblut & Rollenspielen, die

    Welt, erklärt von bärtigen Nietzsche-

    Lesern, die Welt, in der ich möglichst

    viele Fremdwörter lernte, um zu

    überleben; mit neunzehn

    die Welt als Hinterwäldler-Horrorparty

    in einem katholischen Inzestkaff:

    blutverschmierte Gäste

    an dem Ort, wo ich immer wieder

    aufgewachsen bin, immer wieder

    eingeknickt

    vor Bewunderung

    vor deiner schnurrbärtigen Freundin

    vor Beweislast

    —diese Welt, in der ich alles schon

    hätte kennen müssen, um zu

    gelten; diese neunzehnjährige

    Welt, diese Party, der Horror in Begleitung

    eines Partners, den ich mir schön

    reden musste – ja, er war wirklich psychisch

    krank und manchmal fürchtete ich,

    er hätte mich angesteckt, doch

    er war nur Teil der Welt, in der man

    Macht damit bewies, wie man Anerkennung verteilte

  • abschreiben

    Und ich bin stur und dann habe ich den Eindruck ich kann nicht verständnisvoll sein und dann frage ich mich habe ich PMS und dann habe ich PMS und dann ist alles auch nicht klarer. und dann frage ich mich bin in in der Perimenopause und dann sagt jemand zu mir ab 45 wird es anstrengend und ich denke mir wah es ist jetzt eh schon kaum auszuhalten und dann sag ich lol und dann frag ich mich wie lange noch und dann wein ich wieder und dann schreibt wieder jemand einen essay und dann sagt wieder ein Verlag ab und dann schreib ich einen Text der nur gejammert ist und dann denke ich an die gelbe tapete und denke ich kann es da schreiben und dann denke ich an die vielen guten Texte die da sind und dass dieser ein schaß ist und dass ich vielleicht doch einfach wieder chatgpt was fragen sollte und dann denk ich an die Masterbeit und dass ich da was machen sollte und dann schaue ich Love Lies Bleeding und das ist Recherche und dann denke ich über queeres Begehren nach und dann sagt wieder ein Verlag ab und dann bin ich frustriert und verletzt und dann wein ich wieder und dann glaube ich ich muss alles sein lassen und dann denke ich dass meine Solidarität keinen Wert hat und dann wird wieder jemand zu einer Lesung von einem Täter eingeladen und sagt zu und dann wird wieder ein Täter eingeladen und dann wird wieder ein Täter veröffentlicht

  • what fourth wave feminism means to me

    it means, dass ich immer noch im internet schreibe
    it means, dass ich mir immer noch anhören muss, das ich k1 literatur mache
    it means, dass wir uns gegenseitig immer wieder sagen müssen, dass wir niemandem was schulden
    it means, dass ich immer noch vorwiegend im internet veröffentliche
    it means, dass dudes sich immer noch nach meinem kontext fragen, oder ob ich wirklich einfach nur 1 slut bin
    it means, dass die form von 1 text immer noch 1 problemi ist
    it means, dass johann ritter uns vertritt
    it means, dass ich ein arbeitsblatt zu partein und koalitionen der 2. republik in österreich als textprobe an einen verlag schicke
    it means, dass mein sohn medizin studiert
    it means, dass mein vater in den medien ist
    it means, dass ich nach 3 monaten schmerzen zum arzt gehe
    it means, dass ich nicht nach leipzig fahre
    it means, dass ich love is blind schaue
    it means, dass du zu mir kommst und das hart
    it means, dass ich auf der heizdecke sitze
    it means, dass alle anträge durchgehen, wenn nicht auf jedem unser name steht

  • derrida oder deleuze

    ich weiß nicht, was derrida sagt, ich weiß nicht was dekonstrukion heißt. ich weiß nicht wie man deleuze auspricht und ich habe nicht philosophie studiert. das ist eh alles kein problem, aber trotzdem wird mir oft etwas erklärt. manchmal wird mir erklärt, dass menschen unterschiedlich sind, oder dass sie unterschiedliche schlüsse ziehen. manchmal wird mit etwas erklärt und das mit irgendwelchen random prozent angaben unterstützt. aber ich bin statistikertochter, ich kenne mich aus mit zahlen. ich war auch schon als kind im musikverein im großen saal in wien. trotzdem machen männer über 70 in meiner anwesenheit am tisch witze über junge mädchen, die mit 18 jahren plötzlich schwanger sind und ich sage zu ihnen


    JA SO WIE ICH, RICHTIG?

    und dann wird es still, weil ich ihnen nicht erkläre, wie es ist mit 18 schwanger zu sein und wie es ist mit 19 mutter zu werden und wie es ist dann nicht deleuze und derrida zu lesen.

  • resolutions

    du sagst, dass du lange nachgedacht hast
    du sagst, dass du das wort nicht mehr verwenden wirst
    du sagst old habits

    dann sage ich misogynie
    dann sage ich du bist nicht der erste der
    dann sage ich nichts
    dann mache ich eine pause
    dann sage ich es ist egal

    dann sagst du bitch

  • Spice Up Your Life

    Vielleicht wird mich bald wieder ein Verlag gaslighten und glauben lassen, dass nie ausgesprochen war, dass der Text gemacht werden wird, wenn die Absage in meinem Postfach liegt.

    Vielleicht wird aber auch ein Verlag schließen ohne mich darüber zu informieren, dass mein Text doch nicht gemacht wird.

    Vielleicht sagt auch bald wieder ein Verlag, dass ich weiter beobachtet werde.

    Vielleicht sagt auch bald wieder ein Verlag, ich würde gerne etwas mit dir machen.

    Vielleicht ist das auch alles gar nicht so gewesen.

    Vielleicht bin ich auch einfach nur in einer Girlband.

  • 3rd of 2nd

    on February the 3rd

    I stopped being a person

    and I became

    something else

    something that only needs one word

    He put the eggs on the table

    right next to the milk

    and I dreamed of my father

    with determined eyes

    like a soldier

    and it was me

    whom he easily 

    killed 

    that day

    I was swallowed 

    suddenly asked

    numerous questions

    about 

    limbs, fluids, hair, sperm 

    and all that remains

    as if I knew

    I, who have never known men 

    He brought home

    the wood and the flowers

    and I wanted him back 

    with the gum

    I couldn’t find my lighter either

    but I was afraid

    of rooms suddenly

    turning beige and white 

    and all light

    all cleanliness and no sex

    makes 

    Mary

    a sad 

    doll 

    the exact same day

    I was declared

    happy

    and sane

    like a doll

    within a doll

    within a doll

    within a doll

    remains

    female 

  • (zum öffnen siehe rückseite)

    ich war sehr nahe an etwas
    der krater in 1 kaffeetasse
    bei solidarität denke ich an klebeband
    und der text denkt an briefe

    dass, wenn ich nur die richtigen wörter finde
    dass, wenn ich nur in 1 machtposition wäre

    wie viel kulturelles kapital benötige ich für solidarität
    wie präzise müssen meine wörter sein, damit

    nicht erreichbar /

    ihr schaut dabei zu und schaut dabei weg
    das wird sich nie ändern ihr hättet nichts zu verlieren aber
    wir haben keinen wert für euch selbst wenn unsere wörter
    präzise werden selbst wenn wir alles wären selbst dann wären wir weniger
    wert als jeder dude hinter den ihr euch stellt

    wir befinden uns in 1 loop / das ist das einzige
    was ich weiß

  • Arsch der Welt

    it’s not just the weather you

    hate about my country, I know

    the colours of mud & indifference

    the heavy skies, too little fun yet

    too-much-meaning-people, nation

    of loneliness and contempt

    hostility as a hobby

    constant reek of self-important

    men with sagging

    cheeks, their poems shaping

    the last century like wooden

    bars on both sides of a broken shin

    and then the cold, the rain and

    the harsh rules that made us who

    we are; clouded is my second name

    I’m used to gardens that were not

    allowed to touch each other, I grew

    up among men trying to be funny

    and sometimes succeeding

    I grew up wearing sunglasses, I grew

    up collecting lizard’s tails, I grew up

    annoyed with apparently not enough

    hardship in my life—I grew up for you

    to find me, I guess, between rain barrels

    listening to the noise of wet heavens

    gushing over my face, washing it

    away, I grew up to meet someone

    who didn’t know me before, so I would

    have to explain myself

    and let the raindrops talk instead