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Trigger
Wenn ich Karens Stimme höre, höre ich die Szene vorm Wohnhaus.
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Routiniert polstert Karen den Gartentisch mit alten Holzbalken auf. Einmal drauf geklopft, da, nun ist er eben. Noch routinierter wirft sie das wetterfeste Tischtuch darüber, dunkelgrau mit weißen Fransen. Das passt gar nicht zu ihr, denk ich, als ich ihre flinken Finger beobachte, wie sie es zurecht zupfen und sich danach die Gartensessel schnappen. Ein jahre-, nein, jahrzehntelang eilfertig geübtes Spiel am ersten Sommertag im Mai. Beinahe elegant. Das Tischtuch… eigentlich hätte es rot oder pink sein müssen.
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Wie Karen nun die Gartengarnitur, so habe auch ich mich vor gut einem Jahr in die Sonne geholt, habe ich mich aus meiner Wohnung geschält, habe ich in den Himmel gesehen. Grau und vielleicht auch beinahe elegant. Ich erinnere mich nicht, ob Karen an diesem Tag den Tisch und die Stühle und das graue Tischtuch schon hervorgeholt gehabt hatte. Ich erinnere mich nicht, ob es ein Sommer- oder einen Frühlings- oder ein Frühsommertag war. Ich erinnere mich an die Luft, an das Riechen der Luft, und das Spüren des Lufthauchs auf meiner Haut, zwischen meinen Haaren an den Unterarmen, in meinen Nasenflügeln. Ich weiß nicht, welche Farbe der Himmel hatte.
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Die Szene vorm Wohnhaus liegt weiter zurück. Es war der Streit, nach dem der blaue Fleck am rechten Oberarm aufgetaucht war.
Karen aus dem Erdgeschoß und Judith vom zweiten Stock lehnten aus Karens Küchenfenster auf die Straßenseite. Karen: Wenn du etwas brauchst, du kannst immer zu uns kommen.
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Nun macht sich Karen an die Wäsche, hängt sorgfältig, Kluppe für Kluppe, ein Handtuch nach dem anderen an die Spindel im Innenhof.
“Der Blütenstaub ist heftig heuer.”
“Ja,” sage ich.
Kluppe, Kluppe, Handtuch. Kluppe.
“Meinen Balkontisch hab ich auch schon dreimal geputzt,” fügte ich an und dass ich Karens Gartenschlauch schon beneide. Mit dem hat sie vorhin den Tisch und die Sessel abgespült, ein fester Strahl, beinahe –
“Aber jetzt wird’s dann ja langsam vorbei sein.”
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Das Problem: Mensch weiß nicht, dass mensch etwas braucht. Mensch weiß nicht, was mit mensch geschieht, dass etwas geschieht. Mensch weiß nicht, dass andere Menschen es wissen.
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Ratsch – da fällt das Kluppensackerl zu Boden. “Na sowas!”
Karens Stimme. Die Stimme einer ehemals passionierten Raucherin, so wage ich mutzumaßen, mitteltief, leicht belegt, porös, Brustatmung. Eine Stimme, die weiß – die wusste. Meist höre ich sie um Karten feilschen oder um Hotelbuchungen streiten. Ein moderater, selbstbestimmter, etwas schwerfälliger Duktus.
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In der Szene vorm Wohnhaus, da war sie mitteltief und ruhig. Karens Stimme. Da war sie alles und auch etwas besorgt, da war sie fast – liebevoll.
Wenn du etwas brauchst, sag Bescheid. Wir Frauen, wir müssen aufeinander achten.
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Das Problem: Mensch ist in diesen Momenten keine Frau. Mensch ist ein Objekt, ist körperarm und seelenlos. Ist keine Frau, die auf sich oder andere hätte achten können. Ist: Fraulos.
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Die Sonne brennt steil in den engen Hof. Am Balkongeländer räkeln sich meine Kräuter, im Hof räkelt sich Karen mit dem Rechen, den sie nun schwungvoll unter die Zierbüsche hievt, um auch das letzte Laub von Spätherbst hervorzukehren. In der Luft liegt der Geruch von umgewühlter Erde. Moos. Mitten im heißen Sommertag im Frühling. Moos zwischen den Haaren meiner Unterarme.
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Ich blicke in den Himmel, blicke in eine Wolke.
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Unten raschelt das Laub. Karen summt.
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Das Problem: Laub raschelt bestimmter.
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found wanting
the djinn met many men like you
it yawns from above, cristalline
air in its palm, another
pebble made from snow, put down
like a white stone on your path: nudge
the defection — not a new
name, but a cold one
there are those who deserve to be
touched, and those who may touch
and those that aren’t allowed neither
when the djinn beckons come hither
you shall smudge its copper-rimmed
eyes while it plucks
the dawn from your palm
thoughts are made on the tip
of fingers, so
grasp
those who no longer look
for solace shall receive it, a humming
desert and a melting
stone, refreshing desires, a djinn’s
hazy hand, to know the graze
thereof, and know
the grace thereof – men believe
with their bodies, faith has to be
felt in their bones, singe their skin, make
them tremble
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soror mystica
why bother: the crescent moon a giant
padded bra
the call to armor, eyeballs
yellowing, seen enough men
spewing their own flesh
men boiling (in purifying flames)
men melting (off their bones)
male sacrifice, male suffering, male, malum
—and you, are you but an angel
waiting to be ripped
apart, waiting to ripen
on parchment, waiting to be taught
how to coil the sulphur
make tin scream
are you
the lesser metal
lead
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imagine Beherit as an all-female band
you have a holy man’s throat
the appetite of a hermit
the blisters of someone possessed
don’t tell me you’re not struck by those
tin visions, though there is a calloused
difference between the shoemaker
and the mining family spawn
you have that ecstatic gene, like
them, like me—only mine has been buried
in the rubble (stone, helmets and
Glück auf final greetings)
yours is intact
and working, although you’re not
the kind of heretic you want to be
nor the kind of heretic you think you are
your tongue carries the sermon
curls around the Latin and the Hebrew
fervently; your tongue
falls silent when the preaching’s done
when your hand takes over
in writing our existence is abundant
legendary and anonymous
just choking
on meaning: if you separate the words
from the hand you get Scripture
exegesis gives me a headache
so I turn to the lesser metals
and that picture of L-G in which
he looks so impossibly girly, you wouldn’t
recognize him if it weren’t for his nose, nearly
as girly as that guy from Beherit
indeed, many have mistaken Beherit for an
all-female band and been surprised
or impressed, until they’ve found
out they’re just Finns with long hair
(one spell broken, another cast)
in that initial reaction lies the trouble
so I looked them up just to feel
that bewilderment when listening
to Gates of Nanna for the first time
a cunt changes everything, I know
that—look at me, look at mine
at the end of the day I am loved
for my slit, the anatomy
professors by the gallows, necessity of
bodies, tin and your anti-flesh
musings, the near ditch, afterlives
and angels—coming together
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bevor jemand fehlt
mein verstand zieht kreise
wird er in jahren auch noch
funktionieren
oder auch demyelinisieren
so wie andere teile
von mir
mir kommt schon jetzt vor
dass ich abbaue
so viel vergesse
und mich immer wieder vertuich philosophiere ständig
über fragen zu leben
und tod
als säße ich wieder
in der vorklinik im hörsaal
so wie vor 15 jahren
hätte ich das damals nur gewusst
wie schnell alles gehen kann
ich finde diese antwort
nicht in mir
aber auch nicht im außenbefunde, nebenbefunde, zufallsbefunde
asymptomatisch, oder eben auch nicht
was haben sie in letzter zeit gefühlt?
war etwas anders?
ist mir nicht seit monaten ständig
schwindelig
und auf den letzten konzerten
musste ich beim vorletzten lied
gehen
schnell wasser ins gesicht
und festhalten
woran kann ich mich gerade festhalten?ich bin immer noch nicht
dünner
aber meine nervenfasern
dünnen aus
welch ironie
des lebens
und vielleicht kippt da gerade etwas
ganz leise
von werden
zu vergehen
von der entwicklung des eigenen lebens
übers leben gebären
und jetzt geht es in richtung
sterbenman hatte mein 9 monate
junges baby sediert
und in eine röhre geschoben
um gewissheit zu haben
das geht mit seltenen erkrankungen
so einher
ich war nie so erleichtert
wie damals
als ich mit 3 ärzten vor den
bildern saß
und man mir sagte:
alles unbedenklichunbedenklich
was ist das überhaupt
für ein seltsames wort
nur weil etwas so
benannt wird
heißt das ja noch lange nicht
dass ich nicht darüber nachdenkeund ich denke sehr oft
es könnte ein fehler gewesen sein
sie haben etwas übersehen
und wir wissen es
einfach noch nicht
es war ein wiederholtes
knapp dran vorbei
aber schon an alles denken
wenn sie mich
nach dutzenden untersuchungen
in die röhre schieben
magnetresonanztomographie
will ich nicht gewissheit
am liebsten unbedenklichkeit
für mich
sondern für sie
für diese drei menschen
mit denen ich so gerne ewig leben
willich denke an iris
und daran, dass ich nicht
der grund dafür sein darf
dass meine kinder
zu 50 prozent oder mehr
zu schmerz werden
weil sie ihre mutter
viel zu früh
verloren haben
es prägt
verdammt stark
sie sollen nie zu
einem großen teil
aus trauer bestehenvon longevity träumen andere
ich träume von september
von straßen die wir noch nicht kennen
von ihnen auf der rückbank
und meerspaziergängen
von lachen, das nicht optimiert ist
ich träume von gesundheit
die uns das leben ermöglicht
und es nicht ersetztich will nicht länger leben
sondern tiefer
bevor jemand von uns fehlt -
das ist doch nicht gut das ist alles im raum
ich sage zu L, aber das wird nie etwas
und L fragt, von dir aus oder von …
später träume ich, dass ich sage
ich bin bereit, ein geheimnis zu werden
für dich
nach dem aufwachen meine ich es immer noch so
es passiert ständig alles gleichzeitig ich werde von dir verlassen ich werde von dir geliebt in jeder sekunde
fliegt etwas durch die luft
manchmal ist es ein handy manchmal ist es ein buch
einmal war es die brille
das ist doch nicht gut
das ist alles im raum
ich ziehe um schon wieder immer
das ist mein zuhause das ist es nicht
jmd hat mir geschrieben, du willst das doch
aber das wollte ich dann doch nicht
und das andere auch nicht
manchmal sage ich etwas in den raum
und lege die zeiten übereinander
jmd schreibt mir, wer hätte gedacht, vor ein paar jahren sah es so aus,
als würdest du die erste sein mit
in diesen kategorien denken sie
ich tue mir schwer zu bleiben ich kann nicht bleiben weil ich ziehe um
etwas ändert sich immer nur für mich
ein halbes jahr brauche ich alleine um vorhänge aufzuhängen
jemand bindet mir ein band um das handgelenk
ich soll warten auf eine schwalbe
bevor ich es löse
etwas ist im raum
an der wand die uhr aus der küche wo ich gesessen bin und hausaufgaben, B sagt, soll ich sie dir richten
ich bin diese strecke schon öfter
aber nicht so nicht
jmd sagt, und dieser weiße gartenzaun so unwirklich
dort bin ich eingezogen so unwirklich
alles passiert ständig
alles passiert ständig nicht
ich schleiche durch alle räume
damit du mich nicht mehr findest
ein versteck ein geheimnis
der weiße zaun tragisch
jmd sagt zu mir, never drop the ball
und ich fliege von einer treppe
jmd anderer sagt, wie machst du das alles hast du
aber ich mache immer zu wenig
ich mache alles falsch
seht ihr das nicht
ich mache alles richtig
ich esse tryptophanhaltige lebensmittel
ich trinke 2 liter am tag
ich trinke gar nichts
ich empfinde gar nichts
die karte berühren am fenster rauchen
die laufschuhe anziehen
der laptop fällt aus
wir haben 10 minuten
in jeder sekunde ziehe ich um
der raum fliegt durch den raum -
zu oft kratzt es an der tür
als ich zum ersten mal vom balkon geblickt habe, dachte ich, hier bleiben in ihrem haus (sie wollte es nur besitzen, nicht darin leben)
das meiste hat mit zahlen zu tun zb meine eltern waren stolz auf die aussicht, ich könnte eine steuerberaterin werden
ich jammere nicht, ich bilde summen in excel, mit den antworten bin ich alleine, manchmal ist mir schlecht, kamillentee, schleifen, was
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DAS ERSTE MAL
das erste mal 1 horrorfilm geschaut; das 1 mal etwas geklaut; das 1 mal nach dem scheißen keine hände gewaschen; das 1 mal mit absicht keine zähne geputzt; das 1 mal 1 tafel schokolade selbst gekauft & fast im gleichen moment komplett aufgegessen; das 1 mal geküsst, geknutscht, hetero sex, dann lesbischen sex, dann schwulen sex; das 1 mal grindr date; zum 1 mal komplett zerfickt aus der u-uahn stolpern & den weg nach hause nicht finden; das 1 mal gewürgt werden; das 1 mal multiple orgasmen; zum 1 mal komplett aufgelöst
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als es anfing, sinn zu ergeben & damit okay war
ich landete nicht in einer absurden, singulären geschichte, sondern in einem archetypischen muster, das so alt ist wie die menschheit selbst, es ist kein ego-move, wenn ich sage, ich weiß genau, wo ich bin, wer ich bin, wofür ich stehe, ich war nicht dazu bereit, meine werte zu verraten, das war der härtere weg, aber der, der mich heute mit gutem gewissen dastehen lässt, ich verstehe meine rolle rückwirkend viel besser, es hat sich etwas geordnet, was vorher chaotisch war, und vielleicht versuche ich gerade nur struktur für etwas zu finden, das zu groß ist, um es zu begreifen, um es rational zu begreifen, also suche ich diese muster in büchern, in spielen, filmen, meinen eigenen texten, ich bin auf der suche und erkenne die parallelen und denke mir: oha, joke’s not on you, es passiert immer wieder, so vielen
als menschen müssen wir uns ständig entscheiden: werte oder vorteil, verantwortung oder entlastung, loyalität oder selbstschutz auf kosten anderer, wir stehen wiederholt vor wegabzweigungen und müssen oft viel zu schnell eine wahl treffen, und nicht immer ist es schwarz oder weiß, oft vermischt sich alles, hat das eine ausläufer ins andere, wenn ich an früher denke, denke ich chaos, aber vielleicht kann ich es jetzt integrieren, kann sagen: es war eine ungeordnete wahrheit, ich kann sie jetzt verstehen, es ist kein zynisch sein, sondern eine gewisse nüchternheit und ich glaube genau das ist der moment, auf den ich so lange gewartet hab: es ist ein wiederkehrender punkt im menschsein, kein scheitern, meine maßstäbe sind gereift, noch stärker geworden, klarer, belastbarer und kompromissloser dort, wo es zählt, ich hätte auf den kampf verzichten können, aber wachstum passiert nicht im schonraum, es passiert dort, wo man bleibt
alexa, spiele „glenwood“ von lorna shore
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If you, if you could return
Ich habe von einer Schifffahrt geträumt, auf einem unendlich breiten Fluss oder einer Seenlandschaft am Weg von der Ostsee nach Berlin, aber mit Fjorden und Eisplatten im Wasser und ein großes, drehendes Holzrad hat das Schiff angetrieben, als wärs ein Dampfer auf dem Mississippi.
Dieser Traum vermischt sich mit meinem Bewusstsein und diversen Wünschen. Es wird ineinander verwoben sein. Niemand kann wissen was echt ist. Auch ich schon lange nicht mehr.
An Board waren einige meiner Crushes. Alt und neu. Berechtigt und fragwürdig.
Auch L war da und sie ist so eine amüsante, sympathische Personen, ganz anders als irl.
M und T waren auch dabei, wobei sich da die Anziehung verschoben hat.
Auch R war irgendwo präsent, in der Art dass ich ihn nicht gesehen habe aber gespürt, dass ich ihn immer aufsuchen kann, wenn mir danach ist. Besser geht’s nicht.
Von M keine Spur, ebenso wenig von S, zum Glück hat sie mich nicht bis aufs Wasser verfolgt.
So oder so ähnlich stelle ich mir in guten Momenten das Leben nach dem Tod vor, in naiven Momenten vielmehr, in denen ich den Gedanken an so etwas zulasse. Dass da etwas sein könnte. Mehr als das Ende.
Dass mich dort alle, die mich irgendwie berührt oder beschäftigt haben besuchen können, auch E fährt mit, wir haben eigentlich immer die Cranberries gehört wenn ich nach dem Fortgehen mit ihm, viel mehr als bei ihm, geschlafen habe. Ob die Spur von meinem Nagellack noch immer an der Wand zu sehen ist?