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DAS ERSTE MAL
das erste mal 1 horrorfilm geschaut; das 1 mal etwas geklaut; das 1 mal nach dem scheißen keine hände gewaschen; das 1 mal mit absicht keine zähne geputzt; das 1 mal 1 tafel schokolade selbst gekauft & fast im gleichen moment komplett aufgegessen; das 1 mal geküsst, geknutscht, hetero sex, dann lesbischen sex, dann schwulen sex; das 1 mal grindr date; zum 1 mal komplett zerfickt aus der u-uahn stolpern & den weg nach hause nicht finden; das 1 mal gewürgt werden; das 1 mal multiple orgasmen; zum 1 mal komplett aufgelöst
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als es anfing, sinn zu ergeben & damit okay war
ich landete nicht in einer absurden, singulären geschichte, sondern in einem archetypischen muster, das so alt ist wie die menschheit selbst, es ist kein ego-move, wenn ich sage, ich weiß genau, wo ich bin, wer ich bin, wofür ich stehe, ich war nicht dazu bereit, meine werte zu verraten, das war der härtere weg, aber der, der mich heute mit gutem gewissen dastehen lässt, ich verstehe meine rolle rückwirkend viel besser, es hat sich etwas geordnet, was vorher chaotisch war, und vielleicht versuche ich gerade nur struktur für etwas zu finden, das zu groß ist, um es zu begreifen, um es rational zu begreifen, also suche ich diese muster in büchern, in spielen, filmen, meinen eigenen texten, ich bin auf der suche und erkenne die parallelen und denke mir: oha, joke’s not on you, es passiert immer wieder, so vielen
als menschen müssen wir uns ständig entscheiden: werte oder vorteil, verantwortung oder entlastung, loyalität oder selbstschutz auf kosten anderer, wir stehen wiederholt vor wegabzweigungen und müssen oft viel zu schnell eine wahl treffen, und nicht immer ist es schwarz oder weiß, oft vermischt sich alles, hat das eine ausläufer ins andere, wenn ich an früher denke, denke ich chaos, aber vielleicht kann ich es jetzt integrieren, kann sagen: es war eine ungeordnete wahrheit, ich kann sie jetzt verstehen, es ist kein zynisch sein, sondern eine gewisse nüchternheit und ich glaube genau das ist der moment, auf den ich so lange gewartet hab: es ist ein wiederkehrender punkt im menschsein, kein scheitern, meine maßstäbe sind gereift, noch stärker geworden, klarer, belastbarer und kompromissloser dort, wo es zählt, ich hätte auf den kampf verzichten können, aber wachstum passiert nicht im schonraum, es passiert dort, wo man bleibt
alexa, spiele „glenwood“ von lorna shore
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If you, if you could return
Ich habe von einer Schifffahrt geträumt, auf einem unendlich breiten Fluss oder einer Seenlandschaft am Weg von der Ostsee nach Berlin, aber mit Fjorden und Eisplatten im Wasser und ein großes, drehendes Holzrad hat das Schiff angetrieben, als wärs ein Dampfer auf dem Mississippi.
Dieser Traum vermischt sich mit meinem Bewusstsein und diversen Wünschen. Es wird ineinander verwoben sein. Niemand kann wissen was echt ist. Auch ich schon lange nicht mehr.
An Board waren einige meiner Crushes. Alt und neu. Berechtigt und fragwürdig.
Auch L war da und sie ist so eine amüsante, sympathische Personen, ganz anders als irl.
M und T waren auch dabei, wobei sich da die Anziehung verschoben hat.
Auch R war irgendwo präsent, in der Art dass ich ihn nicht gesehen habe aber gespürt, dass ich ihn immer aufsuchen kann, wenn mir danach ist. Besser geht’s nicht.
Von M keine Spur, ebenso wenig von S, zum Glück hat sie mich nicht bis aufs Wasser verfolgt.
So oder so ähnlich stelle ich mir in guten Momenten das Leben nach dem Tod vor, in naiven Momenten vielmehr, in denen ich den Gedanken an so etwas zulasse. Dass da etwas sein könnte. Mehr als das Ende.
Dass mich dort alle, die mich irgendwie berührt oder beschäftigt haben besuchen können, auch E fährt mit, wir haben eigentlich immer die Cranberries gehört wenn ich nach dem Fortgehen mit ihm, viel mehr als bei ihm, geschlafen habe. Ob die Spur von meinem Nagellack noch immer an der Wand zu sehen ist? -
186 905 Und sie entschwanden
Und, wie gehts dir, besser oder noch immer angeschlagen?
Ich finde eigentlich im Verhältnis dazu wie lange ich mich überarbeitet habe NOCH IMMER eher eine unpassende Formulierung. Ich könnte eigentlich noch die nächsten 200 Jahre angeschlagen sein und es wäre immer noch unverhältnismäßig zu dem was gerade passiert usw.
Tana Mongaeu spricht darüber, dass sie ein Jahr sober ist.
Ich schreibe J wir können damit auf die Jagd gehen.
Ich schreibe JJ hast du schon eine Jahreskarte für 2026 oder soll ich dir eine aus meinem Berlin Tarot Deck ziehen?
Ich schreibe Z ich werde heute ins Museum gehen.
Ich schreibe JJJ ich will dich sehen.
Ich schreibe L ich bin erschöpft.
Ich lese die Titel, die mein Großvater den Dias gegeben hat, die er Katalogisiert hat. Ich sehe meinen Onkel, wie er eine Kaffeetasse hält. Ich warte auf die Lebensmittel um für meinen Sohn zu kochen.
Ich schreibe M ich vermisse dich.
222 942 Mutti auf der Felsenklippe
222 943 In Erwartung des Bootes -
Lords of Depravity
witches to be hunted, angels
to be ripped
apart, I had you down
as a simple man
but not one who regrets
—the trap of desire
snaps:
a mutilating difference
working hands know
calloused fingers feel better
you don’t read
poetry, you dress in leather
I want your jet black
jacket and your body in both
ways—equal terms I want
your honesty untainted
in a ponytail
I want to share your manliness
this smoky laugh, insouciant
patois and »Parlez-vous
Pommes Frîtes«
when the trap of
desire snaps
an ordinary angel waiting
to be ripped apart
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Zosimos came to me in a dream
I must have wanted him
to teach me the secrets
of the lesser and the noble
metals
instead he cited 80s thrash
and scorching aphorism:
it is hard not to hate women
if you don’t feel sorry for them
he whispered a question
as yellow as the divine
distillation:
if you’d finally lifted that disregard
off women, do you think it would make
them less insufferable
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violett
Etwas sagen\
Etwas s\Gewalt gegen Frauen steigt.
Es gibt viele Gründe, warum Frauen bleiben. Viele sind finanziell abhängig. Andere wissen noch nicht einmal, dass ihnen Gewalt passiert – oder sie relativieren die Situation, geben sich selbst die Schuld.
Die Betroffene braucht Raum, um über ihre Gefühle zu sprechen und die Situation überhaupt erst zu begreifen.*Ich sage etwas:
Du steigst. Du steigst in das Auto. Du steigst auf das Gas, auf die Bremse. Du steigst aus, steigst auf den Gehsteig, steigst vor mich, steigst über\ Deine Hände steigen: vom Lenkrad auf meine Brust\ Ich steige: ins Blumenbeet –Ich relativiere.
Du steigst nicht.
Du stampfst und schreist und schießt.
Du stampfst aus dem Auto. Du stampfst auf den Gehsteig. Du stampfst vor mich.
Du schreist.
Deine Hände schießen vom Lenkrad in die Luft und auf meine Brust.Ich steige nicht.
Ich werde von dir gestoßen.Vor meinen engsten Freundinnen weiß meine Therapeutin, dass du handgreiflich geworden bist. Ich sage, handgreiflich. Ich sage nichts vom Stampfen und vom Schreien und vom Schießen. Ich sage: Einmal, da hat er mich… da wurde er handgreiflich. Da hat er mich in ein Blumenbeet geschubst.
Sie sagt: Wenn ich mich bedroht fühle, rufe ich die Polizei. Sie sagt: Mein Gefühl ist, was zählt. Mein Gefühl ist real. Sie sagt: Wiederholen Sie das.
Ich sage: Wenn ich mich bedroht fühle, rufe ich die Polizei.
Sie sagt: Ein öffentlicher Platz ist sicherer.
Ich denke: Da sehen mich die anderen.
Sie sagt: Welches Gefühl löst der Gedanke an seine Wohnung bei mir aus?
Ich sage: Bedrängung. Angst. Erniedrigung.
Sie sagt: Und der Pavillon im Park?
Scham.Den Fleck sehe ich, als ich mich aus meiner Kleidung von gestern schäle und in die Dusche steige. Blau ist er, mit grünen Rändern und violettem Kern. Schnell geht das.
Ich denke an den halbverdorrten Busch im Beet. Ich denke nicht: an dich.Nach meinem Sturz\
Nach meinem Fall\
Nach meinem Unfall\
Nach mei\
Nach d\
Nach deinem\
Nach deinem Stoß\Nach deinem Stoß redest du auf mich ein –
Korrektur:
Nach deinem Stoß schreist du auf mich ein. Ich soll einsteigen. Ich sage: Nein. Ich soll einsteigen. Ich sage: Nein. Ich soll einsteigen, oder es ist jetzt wirklich aus. Ich sage nichts und verkrampfe am Beifahrersitz.
Nach deinem Stoß schreist du im Auto. Vom Auto. Vorm Auto. Vor meinem Wohnhaus. Vor meinen Nachbarn. Vor der Schule. Vor entfernten Bekannten von mir. Vor mir.
Ich sage: Nicht so laut. Nicht hier. Und irgendwann, da sage ich: Ja.
Ja, das war nur wegen mir.
Ja, das war nur, weil ich mich dumm verhalten habe.
Ja, das war nur, weil ich\Das Wasser wäscht den Fleck nicht ab und ich schaue weg. Die Flecken von den Frauen in den Nachrichten sind größer und dunkler.
Du sagst: Versprich, dass das nie wieder nötig ist. Dass ich dich nie wieder so aus deiner Gedankenspirale holen muss. Dass du dich vorher wieder einkriegst.
Schreien, schlagen, stoßen, stampfen, schießen. Verniedlichungsform: schubsen. Meistgebräuchlich: sagen.
Meine Therapeutin fragt, ob ich mir eine Sicherheitsleine legen möchte. Ich sage ja, und sage es ganz leise.
Wie könnte diese aussehen?
Es könnte jemand mithören.
Welche Sicherheitsmechanismen gibt es noch?
Die Nummer vorgewählt haben. Die anderen Menschen im Park. Meine Stimme, schreiend.Was dieser Text nicht\
\dass zwischen dem Fleck und dem Ende drei Monate liegen.
\dass die meisten Flecken nicht sichtbar sind.
\dass Gewalt mehr als Körper ist.
\dass es zu sagen, nicht immer der erste Schritt ist.
\dass der Fleck nur von meiner Haut verschwunden ist.
\dass ein Fleck mehr als genug ist.
\dass\
\Bleib an ihrer Seite.*
* Danke, alexandra_stanic, für deinen Post zum Thema Gewalt gegen Frauen (Instagram). Danke an alle, die da waren. Danke an alle, die bleiben.
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Ein Ende vor dem Anfang vor dem Ende
Ja also, es geht los:
Etwas geht los.
Diesmal waren es wirklich…
3 Monate
Im Jänner hast du versprochen ein anderer zu sein, als du bist, als du sein kannst. Mein Tinnitus ist wieder da.
Monate, in denen du mich ausgeblendet hast. So wie das sonst nur ich kann. Und dann verdränge, dass es sich nicht gut anfühlt. Gesagt bekomme, dass es sich nicht gut anfühlt. Nicht hören will, dass es sich nicht gut anfühlt.
Alle 2 Wochen habe ich kurz an dich gedacht und festgestellt das ich dich weniger vermisse als die Vorstellung mit dir an diesen Ort zu fahren.
Das wirst du nun alleine tun.
Eine kleine Kränkung, ein bisschen Irritation, aber fehlen wirst du mir nicht. Es ist kein falscher Stolz, nur Selbstwert.
Meiner.
Du warst nicht mehr neu, du warst Ritual und Routine, sichere Abfolge und ein willkommener Zeitvertreib.
Ein Ablaufdatum hat es immer geben müssen, damit wir überhaupt funktionieren konnten.
Manchmal werde ich dich noch spüren, den Nachhall dieser Bewegung zwischen uns, die Bilder aus der anderen Zeit, von diesen Orten die es lange vor uns gegeben hat. Diese Zuflucht werde ich vermissen. Die antiken Säulen und die üppige Vegetation, die Urzeit und alles was B.C.E. stattgefunden hat.
Das konntest nur du mir zeigen.
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Methodik
Ich schreibe in die captions thinking about the time you stopped liking my storys and I thought you lost interest but your phone just hgot stolen and they didn’t know about my insecurities. Das einzige woran ich heute gemerkt habe, dass ich sChRiFtStElLeRiN bin ist, dass meine schwarze Katze leer geworden ist. Meine schwarze Katze ist ein Stift, aber es macht eh nix, ich habe eh zwei und ich habe auch eine Biene und die schreibt auch schwarz. Und an meinen Nudes, an denen habe ich auch gemerkt, dass ich sChRiFtStElLeRiN bin.
Ich bin gestern nicht auf das Konzert gegangen, ich habe nicht abgesagt, ich habe nichts davon geschafft.
M schreibt, es sei crazy, den Kontakt abzubrechen. Ja, eindeutig, es hätte schon früher sein können. Er bittet mich die captions zu redacten. Ich redacte bis zur Unkenntlichkeit (lol).Das einzige an dem ich heute erkannt habe, dass ich Schriftstellerin bin waren meine Nudes.
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sucht > der ekel vor der kälte
ich habe das zugfahren wieder für mich entdeckt, bin davor schon ewig nicht mehr damit gefahren, weil ich früher so oft fahren musste, und irgendwann hatte ich genug, aber heute geht es wieder, sogar erstaunlich gut, weil ich erkannt habe, dass ich bei einer fahrt, die rund 2 stunden und 24 minuten dauert, ungefähr 23 mal „gethsemane“ von sleep token hören kann, okay ich gebe zu, so gut bin ich nicht im rechnen, richtig gut war ich darin nie, das mit den sekunden und dass eine minute nur 60 davon hat, das war mir schon immer ungeheuer, weil es sich falsch anfühlt, also bleibe ich einfach beim ungefähr, es ist auf jeden fall öfter als zwanzig mal und ich wüsste nicht, was an einem tag schlecht sein könnte, wenn man dieses lied in dauerschleife hören kann, für eine relativ lange, ungestörte zeit
ich habe erkannt, dass der zug, wenn er bei einem bahnhof hält, irgendwie für mich weiterzufahren scheint, obwohl er zugleich still steht, fühlt sich so an, als würde er irgendwie zurückrollen, als wäre die bremse nicht ganz angezogen, und ich stelle mir vor, wie wir die ganze strecke einfach wieder zurückfahren, ohne, dass jemand eingreift, als wäre das ganz normal, als würde das ständig passieren, und wenn es so wäre, dann hätte ich noch rund 40 minuten mehr, um musik zu hören, falsch, falsch gerechnet (schon wieder!), man muss die strecke ja dann nochmal doppelt rechnen, hin und zurück, also ja, da käme ich vermutlich auf weit über 30 mal, es würde mich nicht stören
wenn ich durch meinen heimatort fahre, wir dort ganz langsam durchrollen, weil der bahnhof schon ganz nah ist, versuche ich verzweifelt, meine wurzeln wieder zu finden, aber ich kann sie nirgends ausmachen, die gebäude, die landschaft, die brücken, die menschen, sogar die bäume, nichts davon ist mir noch bekannt oder gar nah, es sieht alles anders aus, und es ist auch alles anders, ich bin hier aufgewachsen, aber gewachsen bin ich dort, wo ich jetzt lebe, und dort will ich weiterwachsen, dort will ich bleiben, weil sich das wirklich wie ein zuhause anfühlt, immer, wenn ich verreise und wieder zurück komme, kommt es mir ins bewusstsein: der geruch, das gefühl, die farben, die dorfcharakteristik, das grün, der blaue himmel, der hier viel weniger blendet, die geräuschkulisse, und vor allem diese drei menschen in meinem haus, einfach alles hier ist die summe aus einem ort, an dem ich wirklich sein will, an den ich immer wieder zurückkehren möchte, nach dem ich mich sehne, für den ich mich zu hundert prozent entscheiden würde, das heißt schon etwas, denn früher habe ich oft gesagt, dass ich weg will, irgendwohin, wo ich mich zugehörig fühle, wo es sich endlich nach heimat anfühlt und ich dachte immer, den ort würde ich nie finden, den ort gäbe es auf dieser welt nicht, ich habe mich so wahnsinnig entfremdet gefühlt, ich dachte, auf der erde gibt es nicht einen flecken, wo das so sein könnte, kein gebäude, kein fundament, kein mensch, einfach nichts, nichts für mich, ich war überzeugt davon, und ich weinte viel (ich weine immer noch viel), weil ich mich überall fremd (an)fühlte, als wäre ich selbst der fremdkörper, und klar, ich werde mich immer wieder so fühlen, es wird diese phasen wieder geben, ich kann daran arbeiten, aber ich werde nie davon geheilt sein, dafür ist zu viel in die brüche gegangen, mir ist das jetzt bewusst und es ist okay für mich, ich kann inzwischen gut damit leben, vielleicht auch, weil du nicht mehr da bist, wenn es wieder passiert, ich wieder anfange zu erstarren, aus meinem körper austreten zu wollen, weil es sich so anfühlt, als gehöre er mir gar nicht, dann wird kein mensch in meinem leben sein, der meine dissoziation faszinierend findet und mich dazu bringt, weiter und weiter hinter den vorhang zu treten, mehr und mehr zu verschwinden, es wird dann niemanden geben, der meine derealisation vorantreibt, weil sie ihn auf eine seltsame art und weise befriedigt, unsere beziehung war schon immer genau das: ich wollte mehr von dir sehen und du wolltest sehen, wie ich mich auflöse
ich muss nicht auf den ölberg gehen und dreimal um erlösung bitten, eine höhere macht anflehen, mein leiden zu beenden, ich muss nicht sterben, um zu leben, „this throne didn’t come with a gun, so I’ve got a different energy„, meine effektivste waffe ist die tiefgreifende kenntnis meiner narben und dass mein größter feind ich selbst bin, es kann mir nicht mehr nahe gehen, was du tust, nicht sagst, oder was einmal war