• schmerz in worten

    du bist nicht filigran. du bist ein breiter, unbeholfener klotz. du fällst auf durch deine unförmigkeit. du fällst auf durch deine seltsame hässlich-neutrale andersartigkeit.
    du bist ein störbild. zu neutral und unmerklich, um verstehen zu lassen, was an deinem anblick so verstört. du hinterlässt diese unangenehmen spuren. 

    nach außen bist du glatt, an dir rutscht man ab. ihr könnt euch nicht vernetzen, an dir bleibt nichts haften.
    nach außen bist du struppig, wer nach dir greift, verfängt sich in deinem verklebten-verfilzten pelz.
    nach außen bist du stachelig. eine falsche bewegung und du lässt blut fließen. du schaust dabei unbeteiligt zu, verlierst dich irgendwann im spiegelnden rot. 
    nach außen bist du unsichtbar. menschen laufen durch dich durch. es kann dich niemand ansehen.

    du bist ungebetener gast,
    du bist stolperndes herz.

    du bist grüblerische fassade, ein unflexibler steinblock. einer, der keinen spaß macht.

    du bist starres gesicht und noch starrere persönlichkeit. du bist nie entspannung. du bist schmerz auf den gelenken. 

    du bist nicht mehr als ein zeitabschnitt für alle, die dich losgelassen haben.

  • understanding

    & überhaupt wurde eine maschine noch nicht erfunden, die bedeutung eins zu eins aus dem einen kopf in den anderen übersetzt

  • brechen

    ich frage dich, ob es für dich wahr ist, ich frage dich, ob es für dich wahr war, ich frage dich, ob überhaupt etwas davon

    das kuvert liegt immer noch verschlossen da

    ich habe es zu gemacht, es ist nicht verschlossen gewesen, ich habe etwas genommen, ich habe etwas gesammelt, ich habe es in die hand genommen, ich habe meine zunge rausgestreckt, ich habe es abgeleckt und dann

    du hast es nicht aufgemacht, du hast es nicht angeschaut, es liegt immer noch da, du hast es nicht bemerkt, du hast dir ein glas genommen, du hast dir ein feuer genommen, du hast dir mich genommen, du hast nicht, nicht in diesem moment, nicht heute, nicht jetzt, nie

    ich will wieder aufgeregt sein, ich will wieder honig schmecken, ich will wieder an wände denken, ich will wieder

    dich

    ich will etwas teilen, ich will irgendetwas teilen, ich will es zerbrechen, ich will es hören, ich will meine hände ausstrecken und

  • Pfand

    Mir ist grad alles wieder zu viel, ich reguliere mich, sperr mich ein, damit ich nichts falsches tue. Ich mache etwas vor, allen, mir, uns. Ich mache Vorwände, vor die Wände in denen ich mich verstecken muss, damit ich ich mich nicht ganz verliere. Was ist Identität wenn die Anderen das Sagen haben, ich alles abgegeben habe, was mich ausmacht, meine Bedürfnisse hinten anstelle, für sie, für die, anderen.

    Wer war das, damals vor 12 Jahren als ich mit mir so einsam war, ich hab mich trotzdem immer gemocht und war mir die beste Gesellschaft, jetzt, wo ich ich die Andren liebe bleibt so wenig davon, als hätte ich alles ausgetauscht. Mich eingetauscht.

  • dream, for T.

    when you left to join

    the anarchists in a secret

    underground network I thought

    I’d never hear from you again.

    Then you sent me a letter.

    I didn’t know your address, couldn’t write

    back. I thought you had walked

    for days through the muddy

    land, through tunnels in the earth.

    Then you came to see me.

    In rags. I was useful, I was

    of help, I could give something to you.

    Things and advice.

    You looked at me like you were

    grateful for my existence.

    Like you knew me.

    And you showed me your

    hide-out, the abandoned house

    your group secretly occupied.

    I accompanied you, but

    the people bothered me. I didn’t

    like one of them, and neither did you.

    If it had been all about

    resistance in the beginning, it was

    about something else now.

    I recognized you as the only one

    true to the idea. You needed

    to get out of there.

    You needed my help.

    You looked at me like that again.

  • phrenesis

    Es fühlt sich nicht mehr richtig an

    dein Lachen
    meine Lügen,
    deine Entschuldigungen,
    mein Verständnis,

    unser Wahnsinn

    wenn Du nur raus könntest aus Dir und ich aus mir, dann würden wir trotzdem lügen und lachen, uns entschuldigen und verstehen, auch das was man nicht sehen kann

    wofür ich sonst blind bin, damit ich schlafen kann, aber sogar meinen Schlaf sabotiere ich seit Wochen, quäle mich von Nacht zu Nacht, weil einfach nichts mehr passt.

    Und dann schlafen wir endlich wieder mit einander und alles ist gut.

  • wie nennen wir fast 10 jahre

    2015 als wir Silvester nicht gemeinsam
    in derselben Stadt gefeiert haben

    2017 als B mich Künstlerin nannte
    bevor ich mich selbst so

    2022 als B 1 Fall gestoppt hat
    & ich die Wand hinter s1 Bett berührt habe

    die Welt im Blick
    das rote Tape
    die lampe gegenüber
    und ich, rauchend (aber ich rauche nicht)
    in s1 Fenster

    (wenn ich A sage, muss ich auch
    B sagen)



  • 368 Tage

    6 Minuten bin ich durch den Garten spaziert

    Damit mich 4 Gelsen stechen

    13 Katzen habe ich gefüttert

    Damit mich 1 Zecke beißt

    3 tote Tiere habe ich im Vorbeifahren gesehen

    Damit ich 1 davon im Wald begraben kann

    2 Mal haben wir geduscht

    Damit wir 1 Mal Sex haben können

    7 Häuser haben wir gesehen die ich kaufen möchte

    Damit mir klar wird, dass ich 0 Geld habe

    2000 Kalorien haben wir eingespart

    Damit wir 3 Tage lang alles essen können

    1,5 Stunden sind wir gefahren

    Damit wir 1 Jahr abschließen können


  • linien, grünstich

    das papier hat 1 leichten grünstich
    m1 linker arm juckt
    (reibung)
    wenn ich fotos poste
    dann als geheimnis
    manchmal habe ich angst
    dass mein herz geschützter ist
    als ihres
    manchmal denke ich über
    verwerfungen nach und fahre
    den linien entlang
    wenn ich nicht mit ihr im fenster stehe

    im rucksack zwei sommerkleider, 1 lederrock, 1 body mit schmetterlingsärmeln und 2 packung taschentücher
    alles weitere zähle ich doch nicht auf

    (was ich alles verloren habe, vorvorgestern)

    der baum vor dem fenster
    verdeckt fenster (& mich,
    von anderen fenstern aus gedacht)

    alles was ich denke
    ich will mich auf den boden

    legen
    werfen
    knieen

    ich möchte mich nicht als frau unterwerfen,
    aber ich möchte die unterworfene sein (VE, 21)

    mein durst nach sand
    such dir ein spielzeug aus (B, 23:15)
    mein begehren nach zeit/
    linien

    & eure blicke (ihr voyeur*innen!)

    stellt euch mich

    im wasser / in 1 stadt / auf dem mond

    vor in nylons

    transparent / mesh / with pattern

    macht noch 1 screenshot

    JETZT!

    ganz unerwartet
    taucht glitzer auf




  • erinnerung

    ich frage mich wieder
    und dann fällt mir ein

    Money is the anthem of success
    So before we go out, what’s your address?

    ich komme für dich aus der wand
    eine*r von uns ist immer drinnen
    wenn ich raus komme usw

    I’m your national anthem
    God, you’re so handsome
    Take me to the Hamptons, Bugatti Veyron
    He loves to romance ‚em, reckless abandon
    Holding me for ransom, upper echelon

    ich zähle städte auf
    ich zähle hotelnamen auf
    sie klingen nicht mehr nach

    der zucker schmilzt auf meiner zunge
    alles was ich von dir wollte
    hängt in kristallen
    von der decke

    On our drugs, and our love, and our dreams, and our rage
    Blurrin‘ the lines between real and the fake
    Dark and lonely, I need somebody to hold me

    gestern habe ich geschrieben
    ich glaube ich bin over dich
    heute habe ich es wieder vergessen