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menschen haben etwas
gewaltvolles über mich. wenn ich sie sehe, muss ich innerlich sterben.
ich habe heute o. gesehen. er lief nicht wie o. und hatte auch andere haare und das gesicht hab ich nur undeutlich und kurz gesehen. aber, in meiner vorstellung war es o., sodass ich mitten im laufen stehenblieb und hinter der person herstarrte, unfähig mich davon zu lösen oder mich zu regen –
die angst, die das in mir auslöste, ich habe es nicht verstanden wie da inneres aufeinanderprallte und sich überlappte. wie mehrere wahrheiten gleichzeitig existierten und trotzdem auch keine davon. wie der moment nur aus schock und starre bestand, aus unglauben und zugleich der völligen überzeugung, dass ich nun eben tun musste, was es zu tun galt. dass ich mich aufgeben musste und zur verfügung stellen. es war alles völlig klar.
aber dann stieg o. in ein schwarzes großes auto ein, von dem ich das kennzeichen nicht erkennen konnte und blickte noch einmal zu mir hin, aber es war zu weit weg, um o.s genauen ausdruck bestimmen zu können.
ich denke immer, ich erkenne alle leute – aber dann sind sie es doch nicht
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Einträge
Ich google wieder deinen Namen
& SechseckeJs Gläser verfärben sich
in der Sonne
& beim wegschauenrote Kapseln
& Ashley MadisonIch kann für dich auch
Tränen in den Augen haben
wenn du willstThis is not for me
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wenn ihr wissen wollt was ich trage
das klopfen hab ich nicht gehört
(& die neuen löcher nicht gesehen)
auf 1 bühne immer die agendawelches monster könnte ich mir anziehen
das 1 spuk auslöst und
wie oft könnte ich zb dafür mein outfit wechselnwenn ihr wissen wollt was ich trage
müsst ihr schon hinschauen
soll ich eure augen öffnenfür das was dahinter liegt
es ist nur 1 tür nur 1 tür
nur 1 tür nur 1 -
schwellen
Ein Geräusch im Schlafzimmer. Der Boden, muss der Boden sein, bestimmt, die Hitze/Kälte –
Was ich eigentlich denke: Da stehst bestimmt schon wieder du. Hast eine Leiter an die Hausseite gelehnt, bis zwei Stockwerke in die Höhe gestiegen, hast den Vorhang beiseite geschoben und bist durchs offene Fenster eingestiegen. Das sieht nicht schön aus, nicht ästhetisch, ist eine Fleischmasse, die sich durch die Moleküle bewegt, ist meist nur Luft und nur, wenn ich an sie denke, ein beinahe richtiger Körper mit Augen und einem Bauch.
Das bist du. Du bist bestimmt vom Fensterbrett gerutscht, über den Boden geschwommen und als du ins Bett steigen wolltest und dich dazu aufrichten musstest, hat dein Schwerpunkt dich verraten. Nun stehst du beklommen da, weißt nicht, was passiert ist, spürst, dass etwas passiert ist, dass ich es auch nicht weiß, was genau.
Damals wie heute stehen wir in getrennten Zimmern und wissen nichts voneinander.
Ich gehe einen Schritt auf die halboffene Schlafzimmertür zu. Der Boden knirscht unter meinen bloßen Zehen. Durch den Türspalt sehe ich, wie der Vorhang in der Frühsommerbrise weht, der Staub im konzentrierten Sonnenlicht flimmert.
Würde ich noch einen Schritt machen, würde ich dich sehen, dich stehen sehen, mit gesenktem Blick und verkrampften Lippen, angelaufen, aufgelaufen, kein Wir, kein Uns, nur ein Du und ein Ich, durch Schwellen getrennt, vom Blickwinkel verstellt. Würdest du aus deiner Erstarrung fallen und die Luft in dich eindringen, würdest du einen Schritt machen, würdest du mich sehen. Gehen und sehen, zwei aufeinander zufallende Verben in zwei voneinander verfallenen Dimensionen. Wir sind verschwellt.
So stehe ich genauso beklommen da wie du und jeder Moment verwurzelt meine Beine mehr im Parkett und verwässert meinen Blick auf die Kälte/Hitze.
Es ist – ganz – still –
Ich kann deinen angehaltenen Atem hören.
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the sudden death of dignity
I sometimes wonder why
your wife killed herself and how
she did it; took the car and drove
off to the coast, that’s all
I know
with a friend I talk about the
many woman artists who move
to Cornwall to die in poverty
when I think about it,
the most complex, most
beautiful relationships do not
involve sex
so I shall not speak of it here
recovering as I am
from specific addictions
& discovering the cravings
of a wide life
a little bit of a dandy, let Ray
Davies make fun of me
and smile along to my
foolishness
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dreams in the doll house
I have seen my heroes dying, Nora tells her diary, which is as good as telling her twin sister, who looks just like Nora, who will read it anyway. My heroes look nothing like my husband, she writes, but all of them are men.
At night the sharp angles of the house grow mice teeth and Nora is bitten at least twice while sleepwalking. The house is hungry for wives. I shouldn’t live here, Nora thinks, I want to roam the page like naked oak, I don’t want to have children.
All of Nora’s identical twin sisters are also called Nora. Torvald has a younger brother by the same name, and a neighbour called Ole. Nora bites back, the house squeals like a rat. The dark corners shrink to transform into bats, shadow bats, and all of them carry Nora’s face.
Nora is so desperate for approval, she disguises her disgust for Torvald as love. From the outside, the illusion looks even better than the real thing. They snort coke together as if they were a TV show, and to them, this is as good as it gets. It is the real thing.
What do you have to prove, Nora asks, and Nora shoots back: Who do you have to prove something to? Torvald and Nora are writing a song about Nora and Torvald being hypocrites with mice teeth, wanting to take bites out of every house in the world. So Nora gets pregnant and Torvald poses as a father.
Torvald and Nora record a podcast about their baby, it was Torvald’s idea. Nora posts photos of the bleeding house and the smiling bats and the happy baby and the empty Torvald and her identical body and she gets lots of sharp teeth as a reply.
One of Nora’s heroes is the night. He’s constantly online and Nora longs to be by his side when he isn’t. In the absence of the house, Nora’s body ceases to be famous. The baby teethes. The bats who look like Nora tilt their little furry heads and build a house inside their phones. A house without bite marks.
Nora has more children than Nora. Her lovers love her the most. Except for Torvald, whom she desired but married his older brother Torvald instead, because that’s whom she could have. Ole is not interested.
The baby boy grows up to be a witch, despite all of Nora’s and Torvald’s efforts. It is the golden age of the twink. Yet the other children laugh at him. Nora considers making another baby. Torvald rides his motorbike out of town. When he comes back, the bats have had their teeth bleached.
Nora writes about how devoid of any need she is. Torvald prints her words on a shirt and walks around with it. We are only here to be left alone. Will Nora believe Nora and does Nora really love her sister? Will you hug me, house. I’ve had enough.
Torvald’s teeth plan a vacation. They sublet his mouth to a rat’s denture in the meantime. The house lives a secret life inside the phone. The bats marvel at Torvald’s new teeth. Nora’s son is a witch and Nora’s sister gave birth to a pack of rats. There is nothing to worry about anymore. Nora paints Nora’s nails and Nora takes a photo of them. They exist, but Ole doubts the shape of their bite marks.
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cut out of every picture
my lips are burning
and I can feel my tears but they are not running
they are always just comingI „forget“ to take my meds
for like 4 daysI download ballet apps (3)
we search for an entry into a castle
and finally a man with a dog unlocks the door
we dance in the second floor for hoursI know when I wake up
this is the first I should do:
swallow my pillsit is oh so simple
it is way too complicatedsometimes I just want to be held
and be able to cry
at the same timeI feel a difussion
I still can’t believe
this is how the story goesI take my meds
I miss my tears -
ich habe mich im Körper geirrt
zuerst an den Ohren,
als ich einmal alles erzählt habe und da keine Worte mehr übrig waren und ich dachte- ich habe ihm Geschichten gegeben, und er hat meine Silben gezählt- diese Ohren sind Gewalt und selbst im Kinderbett, ich fühle den Raum zwischen uns, und ich den Rahmen schlecht gezimmert, ich bin zu viele Nägeln unter den Fingern und kein Hammer und während ich seinen Rücken kraule denke ich an –
Affen, die sich selbst heilen, mit Pflanzen, und ob auch ich das könnte
„Angeblich weinen wir, wenn die Sprache versagt, wenn die Worte unsere Verletzung nicht mehr angemessen ausdrücken können!“, Heather Christie
also – ich habe mich am Rücken geirrt
Während er mir sagt, dass er schon mit 16 auf Festival, und dort immer wieder
neu verliebt
neue Frauen und
er während er mir sagt- ich möchte, dass du kommst
und ich denke an den Adoptionsvertrag in meinen E-Mails und an die Luftblasen in der Flasche, während er kommt und wir beide gehen aus meiner Tür
also – ich habe mich am Schwanz geirrt
und sitze in Männerrunden, ohne zu wissen wie ich dort hin, nicht gekommen und verstehe dort die Worte
aber ich möchte sie nicht hören, sondern vielleicht daraus, ein extremes alkoholisches Getränk brauen oder meinen Körper dekolonisieren, vor ihnen, oder, etwas in mich schütten, dass mir so richtig schön, den Schädel weg knallt und ich sage:
ich glaube nicht an die reale Existenz der USA und ich möchte ihn gehen lassen, aber er muss gehen und er reicht mir meine Haarbürste, und ich
kann mich jetzt hübsch frisieren
und hübsch frisiert vor Männerrunden sein
Ich habe mich an den Fingern geirrt,
die dünner an mir werden als seine Moralvorstellungen
wenn er mir Videos zeigen wird
von unendlichen weiten Reisen und Elefanten und ich erinnere mich daran gelesen zu haben
„Nicht nur Jäger bringen Elefanten zu weinen“
und ich denke, er wird es nicht verstehen können
aber ich kann ihn ficken und dabei denken, dass Lacriphagie, das Wort ist, für das Trinken von Tränen und mein Körper, tut das von alleine, das Ficken und das Denken
ich habe mich in der Körperflüssigkeit geirrt
während er mir erzählt, dass er so verliebt und unheimlich, und Leonard Cohen verzerrt, etwas singt, und die Frau war blond und nur – er benennt es nicht, Mädchen, sagt er, das Mädchen war blond, aber
ich denke-
ich habe Angst, vor meinen überlegten Worten in seinen gebrechlichen Erinnerungslücken und vor einem Körper, der noch schwanger werden kann, und davor, Mädchen zu werden in Zukunft, in der Distanz seiner Erzählungen und ich habe Angst davor, aus seinem Mund zu kommen
ich habe mich im Mund geirrt
„Man hängt sein Herz nicht an Dinge, ich hänge an ihm.“
sage ich ihm und denke dabei an Mayröcker und dass auch meine Worte für ihn-
Ich bin lesbar in den Fusznoten und im Frühling, ich war kurz vor der Anstalt und er im Urlaub und das Land war auch immer mein Körper und er Sensationalist und für mich ungreifbar und stählern in jeder Bewegung, die ich mit den Händen
nach dem Ficken
ich habe Reiterinnenbeine
und mich im Becken geirrt
das schwankt, und mich auf den Schwanz fast Kotzen lässt
und im Kotzen bin ich gut
und in Wahrheit: ich habe mein Leben lang nur dafür gelernt, mit dem Hals
ich habe mich in den Händen geirrt
die den Kopf immer fester nach unten drücken, oder
es ist mein Vater, der mich umarmt
Ich fühle keinen Unterschied mehr
HIER KÖNNTE JEDER UNTER MIR LIEGEN; DAS HIER KÖNNTE JEDE GESCHICHTE SEIN
Ich erfinde Geschichten auf seiner Haut und er mich als Ponyfetisch, und griffbereit
und ich habe mich dabei im Körper geirrt,
der fickbar bleibt und zum Austausch nicht geeignet
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mein gesicht schaut gleich aus
vll könnte man davon 1 foto machen:
– wie ich nicht das telefon abhebe
– meine finger auf denen essensreste picken
– das erste mal weinen dieses jahrirgendjmd steht immer unter verdacht
ich meistens 1 bitch zu sein, 1 störung, 1 anlass
den raum zu verlassenmein gesicht schaut gleich aus
wie soll ich da sagen
ob ich geweint
jmd geblasen
oder gekotzt habeich schließe die tür zum hotelzimmer. den schirm lasse ich dort.
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Was übrig bleibt
Gestern bin ich mit einem Zug zwischen den Dörfern nachts umhergeschlichen. Die Nordlichter rosa und lila am Nachthimmel, die Kopfhörer auf den Ohren, eine belanglose Geschichte die via Bluetooth in meine Ohren flüstert. Ein Körper, der sich von der Stadt erholt und dessen Menschen erholt. Ich werde nicht verstehen, wie man in der Stadt lebt, wenn man das Land in seiner Alleinsamkeit bewohnen kann. Als ich an der Endhaltestelle aussteige, schleichen nur mehr wenige Richtung Ausgang, sie waren in der großen Stadt, die für mich mit den Jahren kleiner geworden ist. Je älter ich werde, desto kleiner werden die Dinge, Sarah sagte gestern, dass es so lange Straßenbahnen in ihrer Stadt nicht gibt, mir fällt so etwas nicht mehr auf. Hier werden nachts die Straßen eingerollt, und die Lichter leuchten nur mehr spärlich. Niemand ist hier mehr unterwegs, hier ist es komplett leise. Ich denke sehr oft daran, dass hier niemand weiß, was ein Rave ist und warum man dafür Zitronen braucht. Hier weiß man, wie man Zinken einer Kreiselegge wechselt und wie viel Prozent das Korn haben muss, bevor man es dreschen darf. Das Wissen ist unterschiedlich gewichtet, das Wissen nach Anwendbarkeit unterschiedlich verankert.
Eine gewisse Traurigkeit überfällt mich in diesem Moment, ich denke an M. wie er mir damals eine Dummheit unterstellte, wie sie nur ein Wiener jemensch vom Land unterstellt, wo er doch noch Linz als Stadt zweiter Klasse beschimpfte und eigentlich ein pornöses Dorf, und nun selbst darin wohnt, und vor allem gar nicht mehr so schlimm findet in der Stahlstadt. Wenn man studiert, muss man in Wien studieren, hat er damals gesagt, ich habe mich nicht daran gehalten und ich weiß bis jetzt nicht, welche Konsequenzen das für mich hat.
Ich denke an S., wie er sagte, dass ich in Wien nicht sagen kann, dass man gerne eine Eierspeise nach dem Fortgehen möchte, weil man damit zwingend weiß, dass ich nicht von hier bin und hier den Schmäh mit der Eierspeise auf betrunkenen Magen sowieso niemand versteht.
Ich denke an F. wie er sagte, dass ich nicht sagen soll, woher ich bin, weil man damit keine Schriftsteller:innenkarriere machen wird, wenn man vom Land kommt. Der richtige Geburtsort ist wichtig im Lebenslauf und sonst lässt man eben eine Lücke. Ich versuche mich nicht entmutigen zu lassen, und verstecke meine Sprache weniger.
Ich denke erneut an M., der mir sagte, dass ich endlich anfangen sollte, ein schönes Deutsch zu sprechen, mit stimmhaften S und kurz gesprochenen Vokalen, so wie man es im Theater macht, richtige Künstler:innen machen das und ich will ja weiterkommen im Betrieb. Ich rede jetzt ein Deutsch, dass dialektal sehr stark eingefärbt ist, jemensch versteht mich; und ab und an werde ich veröffentlicht, meine gesprochene Sprache beeinflusst mein Schreiben nur positiv.
Was von heute übrig bleibt: Ich feiere, dass meine schreibenden Freund:innen nicht in der Stadt groß geworden sind und es nicht verbergen; ich mag, dass niemensch so tut, als wäre ihre Herkunft bildungselitär und vermögend. Ich liebe, dass sie alle auf das schöne Deutsch mit dem stimmhaften s scheißen und trotzdem mutige Literatur erschaffen.