• rinnsal

    ich steh unter der dusche
    45 minuten lang
    und sein bester freund
    hört übers handy zu
    wie das wasser rinnt
    als ich mich abtrockne
    fällt er mir wieder ein, bist du noch da?
    und er sagt, ich hätte fast aufgelegt
    und ich sage, was ich eig erzählen wollte
    dein bester freund ist ein täter
    und er fängt an, mich auszulachen
    und hört nie mehr auf

  • spuren

    es gibt so rote linien

    auf lila hintergrund

    den ich selbst gemalt habe

    es gibt so rote linien

    an denen ich sachen aufhänge

    fotos, texte, luftballons zb

    aber die linien sind da

    die linien sind fäden

    ich bin keine detektivin

    und folge trotzdem

    spuren

    weißt du alles was ich

    hätte ist noch immer

    dass du mich birgst

    in deinen armen

    dass du sagst

    alles gut

    dass ich aufwache

    und dich atmen höre

    ich wache auf

    und sehe die linien

    wickle sie um mich

    weil ich so weine

  • Verweigerung (oder so)

    Ich frage mich manchmal, wie das Internet in den Text kommt und wieso sich manche Texte dem Internet verweigern. Ich mein oke, Texte verweigern immer etwas. Manchmal entscheiden sie sich für die Verweigerung, ordnen sich ihr unter und manchmal passiert es ihnen. 

    Mit Menschen zu sprechen, die über Verweigerung nachdenken ist gar nicht so einfach, weil sie auch das verweigern zB. 

    Aber es macht nichts, meine Nudes schauen sie trotzdem an. 

    Ich weiß nicht, ob Verweigerung Schreibanlass oder Schreibhaltung ist. Ich weiß auch nicht, ob es mir (oder allgemein) möglich ist das abzugrenzen. Wenn ich als Autor*in, Verweigerung als meinen Schreibanlass wähle, muss ich mich halt auch dafür entscheiden was ich als gegeben annehme (oder so). 

    Um was Allgemeines sagen zu können, muss es (der Text) ganz konkret werden

    Nudes sind immer ganz konkret. Hier 1 Nude, schau es an! Nudes sind mein Text. 

    Wenn Verweigerung mein Schreibanlass ist, kann ich nicht über Liebeskummer schreiben, kann ich nur darüber schreiben was davor war, will es leugnen, aber zwinge mich zu verweigern. Es muss immer alles sehr hart daher kommen. 

    Hier 1 Nude, Boobs sind weich!

    Wenn ich verweigere muss ich wiederholen, muss die Sprache in der Wiederholung existieren, weil die Verweigerung usw.

  • Storytelling

    Kathy Acker schreibt in Bis Aufs Blut – Zerfleischt In Der Highschool Naja, ich konnte einfach nicht widerstehen, ich LIEBE es einfach zu ficken, er war SO süß, das war es wert.

    Skorpion-Boys sind meistens süß, das stimmt schon. Sie sind auch easy to get along with und fun to communicate with. Sie sind keine good communicators, aber sie lassen sich auch immer gute Geschichten einfallen, die mich unterhalten. Nur zu viel glauben kann ich nicht. Meistens reichen mir auch zwei bis drei Geschichten und dann würde ich gerne ficken. Ob ein Skorpion-Boy süß ist, weiß ich eigentlich schon, wenn ich sein Instagram Profil anschaue, da entscheide ich schon, ob ich gefickt werden will oder nicht. Manchmal bin ich dann ein bissi sad, wenn es vorbei ist, weil sich die Skorpion-Boys auch leicht verbrauchen. Aber es kommt auch immer einer nach. 

    Manchmal frage ich mich nur, ob eine andere Autorin cuter ist und ob ich mir die Haare rot färben sollte oder mein Hermes Tuch öfter tragen bei Literaturveranstaltungen. In Wien vmtl eher nicht, in Berlin vmtl eher schon. Vielleicht würden dann die Skorpion-Boys noch schneller nachwachsen. 

  • Kaffeetassen

    Ich lese gerade einen Text. Es geht um Fußnoten. Der Autor hat gesagt, es geht um die entakademisierung von Fußnoten. Ich glaube es geht darum, dass ich gefickt werden will. Es geht darum, dass ich eigentlich Liebeskummer habe und mich damit nicht auseinandersetzen will, weil es heißen würde, ich muss mich mit meinem Trauma auseinandersetzen, weil ich eigentlich nicht Liebeskummer habe sondern mich abhängig gemacht habe1 von der Reaktion von einem Menschen. Davon, wie sich dieser Mensch zu mir verhält und die Suche danach, wieso sich dieser Mensch so zu mir verhält.

    In einem Interview hat ein Dude, der keinen Namen hat, gesagt, er versteht das mit der Unsichtbarkeit von Frauen nicht, wenn er zum Beispiel an die Mythologie denke, er kenne nur Männer die unsichtbar werden, z. B. Siegfried. Männer in meinem Leben werden auch gerne unsichtbar, schrittweise. Der letzte Schritt ist oft, dass ich ein Gespräch einfordere und sie dann entweder meinen, es sei ein „Trick“, oder sie hätten gerade sehr viel zu tun, viel Arbeit, es ist nicht einfach, wenn man Kinder hat oder sie halten ein Gespräch nicht für notwendig. 

    Es geht darum, das ich gefickt werden will. Es geht darum, dass ich Liebeskummer habe. Es geht darum, dass ich aufgehört habe Wein aus Kaffeetassen zu trinken, wenn ich unter Tags sichtbar bin. Es geht darum, dass es mir oft reicht eine Fußnote zu sein. Es geht darum, dass ich sehr lange da bin, bis ich weg bin.

    1Stimmt das??? abhängig gemacht habe

  • umzug

    ich glaube ich will dir immer noch gefallen
    aber jetzt mit einer bestätigung

    vielleicht muss ich
    einem anderen eine stufe legen

    ich werde das kleid weiter tragen
    aber immer nur für dich

    bis wir uns was anderes
    wünschen als jetzt

    aber das gegenseitig

  • runaway

    anrufe in abwesenheiten
    und leg dich über mein knie

    die hülle meiner kopfhörer
    & meine zahnbürste
    habe ich bei dir vergessen

    du baust 1 vision board
    rundherum (& um uns)

    ich höre deine musik

  • größenwahn

    dein name glitzert
    meiner flackert


    viele kleine spiegel
    ergeben auch etwas

    wenn du willst, kann ich auch 200 km weg bleiben, aber wenn du das nicht willst, kann ich auch auf jede bühne mit dir steigen
    ich kann auch blumen in die luft zeichnen
    was ich nicht kann: eine flocke sein
    wegen dem feuer
    das hindert mich daran

    ich will alles andere für dich sein können

  • ass

    dich trage ich jetzt nicht mehr ein
    ass der stäbe
    du hast mich auch einmal gezogen
    ich entkomme dem text zu jedem zeitpunkt
    du schickst mir einen kuss

  • letter

    immer wache ich in der nacht auf und denke, ich muss beweisen, dass ich mich nicht aufgelöst habe. dass ich einen körper besitze, der resilient ist. ich muss mich beweisen, damit du mich liebst