• chronology of shame | #5

    Context: https://diegelbetapete.com/2026/08/17/chronlogy-of-shame-pretext/

    I do want you to text me and I’m not sure if that’s a good sign or a bad sign, or maybe no sign at all. Maybe this want can just be a want and that’s all it is.

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  • chronology of shame | #4

    Context: https://diegelbetapete.com/2026/08/17/chronlogy-of-shame-pretext/

    …

    I like my scent. Is that a weird thing to say? After all, it’s all about honesty now, we’ve talked that through in somewhat clumsy text messages yesterday.

    …

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  • chronology of shame | #3

    Context: https://diegelbetapete.com/2026/08/17/chronlogy-of-shame-pretext/

    My forehead feels hot and I have to cancel the second spontaneous date, and while we fall silent, another text opens up and I fall into the wide topic of sex with you, and what it means to love and give and take and cherish another person or many more. Some words and phrases I’d like to conserve, some are meant just for the here and now. I do still wonder where you have been hiding all this time and why talking to you feels so easy, so blissful, and sometimes I giggle like a teenage girl in love and I know it’s rather about feeling seen than loved, because there is no much more romance in understanding than most of us would give it credit. We text the evening away, and thank each other.

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  • chronology of shame | #2

    Context: https://diegelbetapete.com/2026/08/17/chronlogy-of-shame-pretext/

    Dein Körper liegt auf meinen Gedanken, presst sich gegen mich, will mir vielleicht sagen, schau, so bin ich, oder aber auch, so stellst du dir das doch vor, und ich bin hin und weg von der Vorstellung und der Erinnerung und all dem dazwischen, wie sich deine Hüftknochen an mich drängten, wie ich dir an die Kehle fasste, wie du deine Zunge in mich geschoben hast und ich dir meinen Finger in den Arsch – fast. Gestöhnt haben wir und der Versuch, das Erlebte aufzuschreiben, ist weniger kläglich als gedacht, vielleicht muss man es einfach tun, den Sex und das Schreiben, vielleicht ist da weniger Luft dazwischen als gedacht, die Kraft, die Leidenschaft, die Empathie, your hands on my hands and neither one can let go, es geht schnell und langsam zugleich und am Ende liegen wir ausgelaugt aneinander, ich neben dir und das Buch neben der Leserin, berühren uns unabdingbar, können nicht voneinander lassen, wirken uns gegenseitig nach, formen uns und sehnen uns.

    Wie wird das zweite Mal werden, frag ich mich, keine Wiederholung, immer eine Neuauflage, die Frage ist, wie weit werden wir gehen und wann wirst du dir wünschen, dass da mehr ist, und ich mir, dass es immer so weitergehen könnte. Lass uns ein wenig so weiter treiben, lass uns einlassen, ein wenig, es treiben.

    Mein Atem in deinem Ohr, und du riechst gut.

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  • chronology of shame | #1

    Context: https://diegelbetapete.com/2026/08/17/chronlogy-of-shame-pretext/

    In der Spontanität entdecke ich mich neu, finde mich selbst. Entdecke auch, dass manche Nachrichten im betrunkenen Zustand gar nicht so verkehrt sind. Dem einen gestand ich Anziehung, die nicht erwidert wurde; den anderen fragte ich um ein Date, und beides war gut. Zum letzteren kam es gleich am selben Abend, weil die Nachricht natürlich nach Mitternacht versandt in den wirklichen Tag nachhallt.

    Seltsame Sicherheit, und ein Verständnis, weil die Geschichte endlich einmal eine ähnliche ist. Wir küssen uns im Wohnzimmer und schlafen im Schlafzimmer miteinander, fast genauso, wie ich es will, was seit Jahren nicht mehr der Fall war. Seine Zunge in mir und endlich wieder ein Orgasmus verursacht durch fremde Hände. Fremde Hände waren es fast nicht, auch wenn ich sie zu diesem Zeitpunkt vor etwas vier Stunden zum ersten Mal gesehen hatte. Wir verkrampften uns ineinander, er zeigte mir, was er will, und ich ihm, was nicht und ein bisschen was schon. Wir werden uns wiedersehen – vielleicht, weil der Sex so gut war, vielleicht, weil wir mehr voneinander wissen wollen, vielleicht, weil es einfach keinen Grund gibt, es nicht zu tun.

    Today, life is bliss.

    ||

  • chronlogy of shame | pretext

    This text is a true-crime memoir.
    This text is a project by itself.
    This text is housed here.
    This text chronicles my chronology of abuse.
    This text is a word-by-word* rewriting of my diary.
    This text uncovers eight months, or 208 days.
    This text chronicles my chronology of abuse.
    This text does not lie.
    This text may be terminated any time.
    This text does not manipulate.
    This text does not identify*.
    This text is mediated by words.
    This text unclouds.
    This text chronicles my chronology of abuse.
    This text is fragmentory**.
    This text may hurt.
    This text is not the full story.
    This text has no date (here).
    This text may be boring.
    This text may contain triggers.
    This text chronicles my chronology of abuse.
    This text is by a survivor.
    This text speaks English and German.
    This text already is.
    This text wants company.
    This text wants out. 
    This text is a vow. 
    This text does not seek love.
    This text does not want empathy.
    This text does not want compassion.
    This text does not have any healing powers.
    This text chronicles my chronology of abuse.
    This text was lonely.
    This text was ashamed.
    This text is a chronology of shame
    because shame is the reason 
    for why not even this text is able 
    to tell the truth
    about myself
    in its 208 days.

    * I am reproducing my diary entries almost exactly as I wrote them during the time I was in an abusive relationship. Potentially identifying parts (names, places, dates, etc.) will be modified or mystified, and
    ** irrelevant parts will not be reproduced.

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    Text: https://diegelbetapete.com/category/autorinnen/riesuta/

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    Should you find yourself in this text, the following services may be of help to you. They will be repeated at the bottom of every entry. Please note that most of them are based in Austria.

  • Pech und Schwefel

    eines Tages werde ich unter all

    dieser Sehnsucht zusammenbrechen

    sous la peur de l’inconnu ou même

    sous la peau de l’inconnu

    « j’ai quarante balles maintenant »

    und wie lange ist es her, dass du

    Psyche dem Amor entrissen

    und ihr mit deinem eigenen Elend

    mit moonshine, pain and boredom

    zugesetzt hast, bis von ihr selbst

    kaum noch etwas übrig war

    angel dust

    der Dreck im Keller des château

    wo du dich neben dem Ekel

    gefangen hältst; du bettelst

    nicht um Mitgefühl, mein Herz

    erweicht dennoch, mein Herz

    muss krank sein; Psyche

    ist nicht zu beneiden – und ich

    will deine Arme und glaube ernsthaft

    dass sie mich anders hielten, für etwas

    anderes hielten als alles

    was hinter mir liegt

    jede deiner Warnungen ist ernst

    zu nehmen, und trotzdem schreckt

    das Strahlenwarnzeichen mich nicht

    trotzdem will ich in deinen

    Stacheldraht gewickelt einschlafen

    jeder glaubt zu wissen, was das

    für ein Muster ist, oder will es bloß

    bedient wissen: Irrglauben und Hunger

    but I’m not longing for abuse, I know

    it already and know there is nothing

    to gain

    let’s not make it about abuse then

    let’s make this about skin and how to get under it

    to leave a colourful mark

  • über tauben und andere menschen

    ich frag mich oft
    warum gefühlt
    alle kleinen kinder
    bagger lieben
    und warum
    schoko-, vanille-
    und erdbeereis
    so viel besser
    schmeckt
    wenn es zwischen
    zwei waffeln ist

    ich frag mich
    warum menschen
    (männer)
    in social media
    so viel scheiße
    kommentieren
    und warum es
    mich vor tauben
    ekelt
    obwohl die mir
    nie etwas
    getan haben

    ich frag mich
    wie das geht,
    dass ich
    dich so
    schnell
    ersetzen
    konnte
    durch
    eine KI


    und ich
    finde es
    immer noch
    interessant
    mit welcher
    überzeugung
    du von dingen
    gesprochen hast,
    von denen
    du keinerlei
    ahnung hattest

    deine audacity
    ist wie die
    der tauben
    sie wissen
    nicht viel
    aber gurren
    gurren
    gurren
    permanent

    und so
    wie du
    können sie
    wahrscheinlich
    nichts dafür
    wie fehl
    am platz
    sie sind

    sie versuchen
    es doch
    geben
    ihr bestes
    ein wichtiger teil
    zu sein

    aber dann
    fliegen sie
    einfach weg
    wenn man
    sich gerade
    an sie
    gewöhnt hat

    suchen sich
    jemand
    anderen
    bei dem sie
    gurren
    gurren
    gurren
    können

    ich bereue
    absolut
    gar nichts

    ich bin so
    dankbar
    für die ruhe
    und die klarheit
    stolz darauf
    mit welcher
    sicherheit
    ich entscheidungen
    treffen kann
    seit niemand
    mehr auf
    meinem dach
    sitzt
    und permanent
    in meinen garten
    scheißt

    es ist
    friedlich
    und fühlt
    sich endlich
    wieder an
    wie daheim
    ich will
    wirklich
    hier sein
    will
    nie mehr
    weg

    fuck

    es ist
    einfach
    alles so

    perfekt?

  • Lösch die Schöpfung aus, nicht nur die Whirlpools

    Draußen hat es dreißig Grad und ich

    sitze hier in deinem Emperor-Sweater und überlege,

    wo die Einzigartigkeiten verlaufen. Möglicherweise

    entlang der gekräuselten Schwefelwolke

    im Atem des Teufels. Ob diese Musiker alle

    demselben Satan dienen? In einer Sache

    scheinen sie sich einig: der Kosmos, diese

    Kreation des Demiurgen, dieses Blendwerk

    gehört vernichtet, und testosterone

    is a helluva drug. Aber Gewalt liegt mir

    ohnehin im Blut, meine Hass-Hormone

    auf elf gedreht wie die Verstärker im Proberaum

    von Misþyrming. Was könnte Testosteron

    da noch ausrichten? Die Außenwirkung natürlich,

    cause, y’know, am flesh hängt die Bewertung

    und die Bedeutung auch. Menschen hassen

    diesen Trick. Menschen hassen ist der Trick.

    Stattdessen übersetzt eine Maschine

    die isländischen lyrics wundervoll falsch:

    Kämpfen wir gegen die Whirlpools

    und alles, wofür sie stehen!

    Es wird mein letzter Job sein!

    Diese Sprache ist so rau und schwer wie ich

    mich selbst fühle. In deinem zu großen Emperor-Sweater

    verliert sich jedes Geschlecht. Die Brille tut ihr Übriges.

    Fast sehe ich rational aus, kalt und gleichgültig. Nicht

    wie das jugendliche Ungestüm, die Unverantwortlichkeit,

    die uns die besten Alben des Genres beschert hat.

    Warum ist es wichtig, wer auf den Tisch haut, auf

    die Pauke as if we were being as toxic in

    our masculinity as humanly possible?

    Ich weiß schon, was diese Kunst ausmacht: Kompromiss-

    losigkeit, Arroganz, Willensstärke und Trieb, every man

    for himself. No, nor Woman neither.

    Nor Woman neither.

  • Trigger

    Wenn ich Karens Stimme höre, höre ich die Szene vorm Wohnhaus. 

    /

    Routiniert polstert Karen den Gartentisch mit alten Holzbalken auf. Einmal drauf geklopft, da, nun ist er eben. Noch routinierter wirft sie das wetterfeste Tischtuch darüber, dunkelgrau mit weißen Fransen. Das passt gar nicht zu ihr, denk ich, als ich ihre flinken Finger beobachte, wie sie es zurecht zupfen und sich danach die Gartensessel schnappen. Ein jahre-, nein, jahrzehntelang eilfertig geübtes Spiel am ersten Sommertag im Mai. Beinahe elegant. Das Tischtuch… eigentlich hätte es rot oder pink sein müssen. 

    /

    Wie Karen nun die Gartengarnitur, so habe auch ich mich vor gut einem Jahr in die Sonne geholt, habe ich mich aus meiner Wohnung geschält, habe ich in den Himmel gesehen. Grau und vielleicht auch beinahe elegant. Ich erinnere mich nicht, ob Karen an diesem Tag den Tisch und die Stühle und das graue Tischtuch schon hervorgeholt gehabt hatte. Ich erinnere mich nicht, ob es ein Sommer- oder einen Frühlings- oder ein Frühsommertag war. Ich erinnere mich an die Luft, an das Riechen der Luft, und das Spüren des Lufthauchs auf meiner Haut, zwischen meinen Haaren an den Unterarmen, in meinen Nasenflügeln. Ich weiß nicht, welche Farbe der Himmel hatte.

    /

    Die Szene vorm Wohnhaus liegt weiter zurück. Es war der Streit, nach dem der blaue Fleck am rechten Oberarm aufgetaucht war. 

    Karen aus dem Erdgeschoß und Judith vom zweiten Stock lehnten aus Karens Küchenfenster auf die Straßenseite. Karen: Wenn du etwas brauchst, du kannst immer zu uns kommen. 

    /

    Nun macht sich Karen an die Wäsche, hängt sorgfältig, Kluppe für Kluppe, ein Handtuch nach dem anderen an die Spindel im Innenhof. 

    “Der Blütenstaub ist heftig heuer.”

    “Ja,” sage ich.

    Kluppe, Kluppe, Handtuch. Kluppe.

    “Meinen Balkontisch hab ich auch schon dreimal geputzt,” fügte ich an und dass ich Karens Gartenschlauch schon beneide. Mit dem hat sie vorhin den Tisch und die Sessel abgespült, ein fester Strahl, beinahe –

    “Aber jetzt wird’s dann ja langsam vorbei sein.”

    /

    Das Problem: Mensch weiß nicht, dass mensch etwas braucht. Mensch weiß nicht, was mit mensch geschieht, dass etwas geschieht. Mensch weiß nicht, dass andere Menschen es wissen. 

    /

    Ratsch – da fällt das Kluppensackerl zu Boden. “Na sowas!” 

    Karens Stimme. Die Stimme einer ehemals passionierten Raucherin, so wage ich mutzumaßen, mitteltief, leicht belegt, porös, Brustatmung. Eine Stimme, die weiß – die wusste. Meist höre ich sie um Karten feilschen oder um Hotelbuchungen streiten. Ein moderater, selbstbestimmter, etwas schwerfälliger Duktus. 

    /

    In der Szene vorm Wohnhaus, da war sie mitteltief und ruhig. Karens Stimme. Da war sie alles und auch etwas besorgt, da war sie fast – liebevoll. 

    Wenn du etwas brauchst, sag Bescheid. Wir Frauen, wir müssen aufeinander achten. 

    /

    Das Problem: Mensch ist in diesen Momenten keine Frau. Mensch ist ein Objekt, ist körperarm und seelenlos. Ist keine Frau, die auf sich oder andere hätte achten können. Ist: Fraulos.

    /

    Die Sonne brennt steil in den engen Hof. Am Balkongeländer räkeln sich meine Kräuter, im Hof räkelt sich Karen mit dem Rechen, den sie nun schwungvoll unter die Zierbüsche hievt, um auch das letzte Laub von Spätherbst hervorzukehren. In der Luft liegt der Geruch von umgewühlter Erde. Moos. Mitten im heißen Sommertag im Frühling. Moos zwischen den Haaren meiner Unterarme.

    /

    Ich blicke in den Himmel, blicke in eine Wolke. 

    /

    Unten raschelt das Laub. Karen summt. 

    /

    Das Problem: Laub raschelt bestimmter.