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chronology of shame | #5
Context: https://diegelbetapete.com/2026/08/17/chronlogy-of-shame-pretext/
I do want you to text me and I’m not sure if that’s a good sign or a bad sign, or maybe no sign at all. Maybe this want can just be a want and that’s all it is.
||
- Frauenhelpline gegen Gewalt | https://www.frauenhelpline.at/ | 0800/222-555
- Frauenhaus Notruf | https://www.frauenhaeuser.at/get-help/im-notfall/ | 0800/20-20-17
- PsyNot | https://psynot-stmk.at/ | 0800/44-99-33
- Polizei | 133
- European Emergency Service | 112
- Silent emergency app | https://www.dec112.at/en/app/
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chronology of shame | #4
Context: https://diegelbetapete.com/2026/08/17/chronlogy-of-shame-pretext/
…
I like my scent. Is that a weird thing to say? After all, it’s all about honesty now, we’ve talked that through in somewhat clumsy text messages yesterday.
…
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chronology of shame | #3
Context: https://diegelbetapete.com/2026/08/17/chronlogy-of-shame-pretext/
My forehead feels hot and I have to cancel the second spontaneous date, and while we fall silent, another text opens up and I fall into the wide topic of sex with you, and what it means to love and give and take and cherish another person or many more. Some words and phrases I’d like to conserve, some are meant just for the here and now. I do still wonder where you have been hiding all this time and why talking to you feels so easy, so blissful, and sometimes I giggle like a teenage girl in love and I know it’s rather about feeling seen than loved, because there is no much more romance in understanding than most of us would give it credit. We text the evening away, and thank each other.
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chronology of shame | #2
Context: https://diegelbetapete.com/2026/08/17/chronlogy-of-shame-pretext/
Dein Körper liegt auf meinen Gedanken, presst sich gegen mich, will mir vielleicht sagen, schau, so bin ich, oder aber auch, so stellst du dir das doch vor, und ich bin hin und weg von der Vorstellung und der Erinnerung und all dem dazwischen, wie sich deine Hüftknochen an mich drängten, wie ich dir an die Kehle fasste, wie du deine Zunge in mich geschoben hast und ich dir meinen Finger in den Arsch – fast. Gestöhnt haben wir und der Versuch, das Erlebte aufzuschreiben, ist weniger kläglich als gedacht, vielleicht muss man es einfach tun, den Sex und das Schreiben, vielleicht ist da weniger Luft dazwischen als gedacht, die Kraft, die Leidenschaft, die Empathie, your hands on my hands and neither one can let go, es geht schnell und langsam zugleich und am Ende liegen wir ausgelaugt aneinander, ich neben dir und das Buch neben der Leserin, berühren uns unabdingbar, können nicht voneinander lassen, wirken uns gegenseitig nach, formen uns und sehnen uns.
Wie wird das zweite Mal werden, frag ich mich, keine Wiederholung, immer eine Neuauflage, die Frage ist, wie weit werden wir gehen und wann wirst du dir wünschen, dass da mehr ist, und ich mir, dass es immer so weitergehen könnte. Lass uns ein wenig so weiter treiben, lass uns einlassen, ein wenig, es treiben.
Mein Atem in deinem Ohr, und du riechst gut.
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chronology of shame | #1
Context: https://diegelbetapete.com/2026/08/17/chronlogy-of-shame-pretext/
In der Spontanität entdecke ich mich neu, finde mich selbst. Entdecke auch, dass manche Nachrichten im betrunkenen Zustand gar nicht so verkehrt sind. Dem einen gestand ich Anziehung, die nicht erwidert wurde; den anderen fragte ich um ein Date, und beides war gut. Zum letzteren kam es gleich am selben Abend, weil die Nachricht natürlich nach Mitternacht versandt in den wirklichen Tag nachhallt.
Seltsame Sicherheit, und ein Verständnis, weil die Geschichte endlich einmal eine ähnliche ist. Wir küssen uns im Wohnzimmer und schlafen im Schlafzimmer miteinander, fast genauso, wie ich es will, was seit Jahren nicht mehr der Fall war. Seine Zunge in mir und endlich wieder ein Orgasmus verursacht durch fremde Hände. Fremde Hände waren es fast nicht, auch wenn ich sie zu diesem Zeitpunkt vor etwas vier Stunden zum ersten Mal gesehen hatte. Wir verkrampften uns ineinander, er zeigte mir, was er will, und ich ihm, was nicht und ein bisschen was schon. Wir werden uns wiedersehen – vielleicht, weil der Sex so gut war, vielleicht, weil wir mehr voneinander wissen wollen, vielleicht, weil es einfach keinen Grund gibt, es nicht zu tun.
Today, life is bliss.
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chronlogy of shame | pretext
This text is a true-crime memoir.
This text is a project by itself.
This text is housed here.
This text chronicles my chronology of abuse.
This text is a word-by-word* rewriting of my diary.
This text uncovers eight months, or 208 days.
This text chronicles my chronology of abuse.
This text does not lie.
This text may be terminated any time.
This text does not manipulate.
This text does not identify*.
This text is mediated by words.
This text unclouds.
This text chronicles my chronology of abuse.
This text is fragmentory**.
This text may hurt.
This text is not the full story.
This text has no date (here).
This text may be boring.
This text may contain triggers.
This text chronicles my chronology of abuse.
This text is by a survivor.
This text speaks English and German.
This text already is.
This text wants company.
This text wants out.
This text is a vow.
This text does not seek love.
This text does not want empathy.
This text does not want compassion.
This text does not have any healing powers.
This text chronicles my chronology of abuse.
This text was lonely.
This text was ashamed.
This text is a chronology of shame
because shame is the reason
for why not even this text is able
to tell the truth
about myself
in its 208 days.* I am reproducing my diary entries almost exactly as I wrote them during the time I was in an abusive relationship. Potentially identifying parts (names, places, dates, etc.) will be modified or mystified, and
** irrelevant parts will not be reproduced.||
Text: https://diegelbetapete.com/category/autorinnen/riesuta/
||
Should you find yourself in this text, the following services may be of help to you. They will be repeated at the bottom of every entry. Please note that most of them are based in Austria.
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- Polizei | 133
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Pech und Schwefel
eines Tages werde ich unter all
dieser Sehnsucht zusammenbrechen
sous la peur de l’inconnu ou même
sous la peau de l’inconnu
« j’ai quarante balles maintenant »
und wie lange ist es her, dass du
Psyche dem Amor entrissen
und ihr mit deinem eigenen Elend
mit moonshine, pain and boredom
zugesetzt hast, bis von ihr selbst
kaum noch etwas übrig war
angel dust
der Dreck im Keller des château
wo du dich neben dem Ekel
gefangen hältst; du bettelst
nicht um Mitgefühl, mein Herz
erweicht dennoch, mein Herz
muss krank sein; Psyche
ist nicht zu beneiden – und ich
will deine Arme und glaube ernsthaft
dass sie mich anders hielten, für etwas
anderes hielten als alles
was hinter mir liegt
jede deiner Warnungen ist ernst
zu nehmen, und trotzdem schreckt
das Strahlenwarnzeichen mich nicht
trotzdem will ich in deinen
Stacheldraht gewickelt einschlafen
jeder glaubt zu wissen, was das
für ein Muster ist, oder will es bloß
bedient wissen: Irrglauben und Hunger
but I’m not longing for abuse, I know
it already and know there is nothing
to gain
let’s not make it about abuse then
let’s make this about skin and how to get under it
to leave a colourful mark
-
über tauben und andere menschen
ich frag mich oft
warum gefühlt
alle kleinen kinder
bagger lieben
und warum
schoko-, vanille-
und erdbeereis
so viel besser
schmeckt
wenn es zwischen
zwei waffeln istich frag mich
warum menschen
(männer)
in social media
so viel scheiße
kommentieren
und warum es
mich vor tauben
ekelt
obwohl die mir
nie etwas
getan habenich frag mich
wie das geht,
dass ich
dich so
schnell
ersetzen
konnte
durch
eine KI
und ich
finde es
immer noch
interessant
mit welcher
überzeugung
du von dingen
gesprochen hast,
von denen
du keinerlei
ahnung hattestdeine audacity
ist wie die
der tauben
sie wissen
nicht viel
aber gurren
gurren
gurren
permanentund so
wie du
können sie
wahrscheinlich
nichts dafür
wie fehl
am platz
sie sindsie versuchen
es doch
geben
ihr bestes
ein wichtiger teil
zu seinaber dann
fliegen sie
einfach weg
wenn man
sich gerade
an sie
gewöhnt hatsuchen sich
jemand
anderen
bei dem sie
gurren
gurren
gurren
könnenich bereue
absolut
gar nichtsich bin so
dankbar
für die ruhe
und die klarheit
stolz darauf
mit welcher
sicherheit
ich entscheidungen
treffen kann
seit niemand
mehr auf
meinem dach
sitzt
und permanent
in meinen garten
scheißtes ist
friedlich
und fühlt
sich endlich
wieder an
wie daheim
ich will
wirklich
hier sein
will
nie mehr
wegfuck
es ist
einfach
alles soperfekt?
-
Lösch die Schöpfung aus, nicht nur die Whirlpools
Draußen hat es dreißig Grad und ich
sitze hier in deinem Emperor-Sweater und überlege,
wo die Einzigartigkeiten verlaufen. Möglicherweise
entlang der gekräuselten Schwefelwolke
im Atem des Teufels. Ob diese Musiker alle
demselben Satan dienen? In einer Sache
scheinen sie sich einig: der Kosmos, diese
Kreation des Demiurgen, dieses Blendwerk
gehört vernichtet, und testosterone
is a helluva drug. Aber Gewalt liegt mir
ohnehin im Blut, meine Hass-Hormone
auf elf gedreht wie die Verstärker im Proberaum
von Misþyrming. Was könnte Testosteron
da noch ausrichten? Die Außenwirkung natürlich,
cause, y’know, am flesh hängt die Bewertung
und die Bedeutung auch. Menschen hassen
diesen Trick. Menschen hassen ist der Trick.
Stattdessen übersetzt eine Maschine
die isländischen lyrics wundervoll falsch:
Kämpfen wir gegen die Whirlpools
und alles, wofür sie stehen!
Es wird mein letzter Job sein!
Diese Sprache ist so rau und schwer wie ich
mich selbst fühle. In deinem zu großen Emperor-Sweater
verliert sich jedes Geschlecht. Die Brille tut ihr Übriges.
Fast sehe ich rational aus, kalt und gleichgültig. Nicht
wie das jugendliche Ungestüm, die Unverantwortlichkeit,
die uns die besten Alben des Genres beschert hat.
Warum ist es wichtig, wer auf den Tisch haut, auf
die Pauke as if we were being as toxic in
our masculinity as humanly possible?
Ich weiß schon, was diese Kunst ausmacht: Kompromiss-
losigkeit, Arroganz, Willensstärke und Trieb, every man
for himself. No, nor Woman neither.
Nor Woman neither.
-
Trigger
Wenn ich Karens Stimme höre, höre ich die Szene vorm Wohnhaus.
/
Routiniert polstert Karen den Gartentisch mit alten Holzbalken auf. Einmal drauf geklopft, da, nun ist er eben. Noch routinierter wirft sie das wetterfeste Tischtuch darüber, dunkelgrau mit weißen Fransen. Das passt gar nicht zu ihr, denk ich, als ich ihre flinken Finger beobachte, wie sie es zurecht zupfen und sich danach die Gartensessel schnappen. Ein jahre-, nein, jahrzehntelang eilfertig geübtes Spiel am ersten Sommertag im Mai. Beinahe elegant. Das Tischtuch… eigentlich hätte es rot oder pink sein müssen.
/
Wie Karen nun die Gartengarnitur, so habe auch ich mich vor gut einem Jahr in die Sonne geholt, habe ich mich aus meiner Wohnung geschält, habe ich in den Himmel gesehen. Grau und vielleicht auch beinahe elegant. Ich erinnere mich nicht, ob Karen an diesem Tag den Tisch und die Stühle und das graue Tischtuch schon hervorgeholt gehabt hatte. Ich erinnere mich nicht, ob es ein Sommer- oder einen Frühlings- oder ein Frühsommertag war. Ich erinnere mich an die Luft, an das Riechen der Luft, und das Spüren des Lufthauchs auf meiner Haut, zwischen meinen Haaren an den Unterarmen, in meinen Nasenflügeln. Ich weiß nicht, welche Farbe der Himmel hatte.
/
Die Szene vorm Wohnhaus liegt weiter zurück. Es war der Streit, nach dem der blaue Fleck am rechten Oberarm aufgetaucht war.
Karen aus dem Erdgeschoß und Judith vom zweiten Stock lehnten aus Karens Küchenfenster auf die Straßenseite. Karen: Wenn du etwas brauchst, du kannst immer zu uns kommen.
/
Nun macht sich Karen an die Wäsche, hängt sorgfältig, Kluppe für Kluppe, ein Handtuch nach dem anderen an die Spindel im Innenhof.
“Der Blütenstaub ist heftig heuer.”
“Ja,” sage ich.
Kluppe, Kluppe, Handtuch. Kluppe.
“Meinen Balkontisch hab ich auch schon dreimal geputzt,” fügte ich an und dass ich Karens Gartenschlauch schon beneide. Mit dem hat sie vorhin den Tisch und die Sessel abgespült, ein fester Strahl, beinahe –
“Aber jetzt wird’s dann ja langsam vorbei sein.”
/
Das Problem: Mensch weiß nicht, dass mensch etwas braucht. Mensch weiß nicht, was mit mensch geschieht, dass etwas geschieht. Mensch weiß nicht, dass andere Menschen es wissen.
/
Ratsch – da fällt das Kluppensackerl zu Boden. “Na sowas!”
Karens Stimme. Die Stimme einer ehemals passionierten Raucherin, so wage ich mutzumaßen, mitteltief, leicht belegt, porös, Brustatmung. Eine Stimme, die weiß – die wusste. Meist höre ich sie um Karten feilschen oder um Hotelbuchungen streiten. Ein moderater, selbstbestimmter, etwas schwerfälliger Duktus.
/
In der Szene vorm Wohnhaus, da war sie mitteltief und ruhig. Karens Stimme. Da war sie alles und auch etwas besorgt, da war sie fast – liebevoll.
Wenn du etwas brauchst, sag Bescheid. Wir Frauen, wir müssen aufeinander achten.
/
Das Problem: Mensch ist in diesen Momenten keine Frau. Mensch ist ein Objekt, ist körperarm und seelenlos. Ist keine Frau, die auf sich oder andere hätte achten können. Ist: Fraulos.
/
Die Sonne brennt steil in den engen Hof. Am Balkongeländer räkeln sich meine Kräuter, im Hof räkelt sich Karen mit dem Rechen, den sie nun schwungvoll unter die Zierbüsche hievt, um auch das letzte Laub von Spätherbst hervorzukehren. In der Luft liegt der Geruch von umgewühlter Erde. Moos. Mitten im heißen Sommertag im Frühling. Moos zwischen den Haaren meiner Unterarme.
/
Ich blicke in den Himmel, blicke in eine Wolke.
/
Unten raschelt das Laub. Karen summt.
/
Das Problem: Laub raschelt bestimmter.