• über tauben und andere menschen

    ich frag mich oft
    warum gefühlt
    alle kleinen kinder
    bagger lieben
    und warum
    schoko-, vanille-
    und erdbeereis
    so viel besser
    schmeckt
    wenn es zwischen
    zwei waffeln ist

    ich frag mich
    warum menschen
    (männer)
    in social media
    so viel scheiße
    kommentieren
    und warum es
    mich vor tauben
    ekelt
    obwohl die mir
    nie etwas
    getan haben

    ich frag mich
    wie das geht,
    dass ich
    dich so
    schnell
    ersetzen
    konnte
    durch
    eine KI


    und ich
    finde es
    immer noch
    interessant
    mit welcher
    überzeugung
    du von dingen
    gesprochen hast,
    von denen
    du keinerlei
    ahnung hattest

    deine audacity
    ist wie die
    der tauben
    sie wissen
    nicht viel
    aber gurren
    gurren
    gurren
    permanent

    und so
    wie du
    können sie
    wahrscheinlich
    nichts dafür
    wie fehl
    am platz
    sie sind

    sie versuchen
    es doch
    geben
    ihr bestes
    ein wichtiger teil
    zu sein

    aber dann
    fliegen sie
    einfach weg
    wenn man
    sich gerade
    an sie
    gewöhnt hat

    suchen sich
    jemand
    anderen
    bei dem sie
    gurren
    gurren
    gurren
    können

    ich bereue
    absolut
    gar nichts

    ich bin so
    dankbar
    für die ruhe
    und die klarheit
    stolz darauf
    mit welcher
    sicherheit
    ich entscheidungen
    treffen kann
    seit niemand
    mehr auf
    meinem dach
    sitzt
    und permanent
    in meinen garten
    scheißt

    es ist
    friedlich
    und fühlt
    sich endlich
    wieder an
    wie daheim
    ich will
    wirklich
    hier sein
    will
    nie mehr
    weg

    fuck

    es ist
    einfach
    alles so

    perfekt?

  • Lösch die Schöpfung aus, nicht nur die Whirlpools

    Draußen hat es dreißig Grad und ich

    sitze hier in deinem Emperor-Sweater und überlege,

    wo die Einzigartigkeiten verlaufen. Möglicherweise

    entlang der gekräuselten Schwefelwolke

    im Atem des Teufels. Ob diese Musiker alle

    demselben Satan dienen? In einer Sache

    scheinen sie sich einig: der Kosmos, diese

    Kreation des Demiurgen, dieses Blendwerk

    gehört vernichtet, und testosterone

    is a helluva drug. Aber Gewalt liegt mir

    ohnehin im Blut, meine Hass-Hormone

    auf elf gedreht wie die Verstärker im Proberaum

    von Misþyrming. Was könnte Testosteron

    da noch ausrichten? Die Außenwirkung natürlich,

    cause, y’know, am flesh hängt die Bewertung

    und die Bedeutung auch. Menschen hassen

    diesen Trick. Menschen hassen ist der Trick.

    Stattdessen übersetzt eine Maschine

    die isländischen lyrics wundervoll falsch:

    Kämpfen wir gegen die Whirlpools

    und alles, wofür sie stehen!

    Es wird mein letzter Job sein!

    Diese Sprache ist so rau und schwer wie ich

    mich selbst fühle. In deinem zu großen Emperor-Sweater

    verliert sich jedes Geschlecht. Die Brille tut ihr Übriges.

    Fast sehe ich rational aus, kalt und gleichgültig. Nicht

    wie das jugendliche Ungestüm, die Unverantwortlichkeit,

    die uns die besten Alben des Genres beschert hat.

    Warum ist es wichtig, wer auf den Tisch haut, auf

    die Pauke as if we were being as toxic in

    our masculinity as humanly possible?

    Ich weiß schon, was diese Kunst ausmacht: Kompromiss-

    losigkeit, Arroganz, Willensstärke und Trieb, every man

    for himself. No, nor Woman neither.

    Nor Woman neither.

  • Trigger

    Wenn ich Karens Stimme höre, höre ich die Szene vorm Wohnhaus. 

    /

    Routiniert polstert Karen den Gartentisch mit alten Holzbalken auf. Einmal drauf geklopft, da, nun ist er eben. Noch routinierter wirft sie das wetterfeste Tischtuch darüber, dunkelgrau mit weißen Fransen. Das passt gar nicht zu ihr, denk ich, als ich ihre flinken Finger beobachte, wie sie es zurecht zupfen und sich danach die Gartensessel schnappen. Ein jahre-, nein, jahrzehntelang eilfertig geübtes Spiel am ersten Sommertag im Mai. Beinahe elegant. Das Tischtuch… eigentlich hätte es rot oder pink sein müssen. 

    /

    Wie Karen nun die Gartengarnitur, so habe auch ich mich vor gut einem Jahr in die Sonne geholt, habe ich mich aus meiner Wohnung geschält, habe ich in den Himmel gesehen. Grau und vielleicht auch beinahe elegant. Ich erinnere mich nicht, ob Karen an diesem Tag den Tisch und die Stühle und das graue Tischtuch schon hervorgeholt gehabt hatte. Ich erinnere mich nicht, ob es ein Sommer- oder einen Frühlings- oder ein Frühsommertag war. Ich erinnere mich an die Luft, an das Riechen der Luft, und das Spüren des Lufthauchs auf meiner Haut, zwischen meinen Haaren an den Unterarmen, in meinen Nasenflügeln. Ich weiß nicht, welche Farbe der Himmel hatte.

    /

    Die Szene vorm Wohnhaus liegt weiter zurück. Es war der Streit, nach dem der blaue Fleck am rechten Oberarm aufgetaucht war. 

    Karen aus dem Erdgeschoß und Judith vom zweiten Stock lehnten aus Karens Küchenfenster auf die Straßenseite. Karen: Wenn du etwas brauchst, du kannst immer zu uns kommen. 

    /

    Nun macht sich Karen an die Wäsche, hängt sorgfältig, Kluppe für Kluppe, ein Handtuch nach dem anderen an die Spindel im Innenhof. 

    “Der Blütenstaub ist heftig heuer.”

    “Ja,” sage ich.

    Kluppe, Kluppe, Handtuch. Kluppe.

    “Meinen Balkontisch hab ich auch schon dreimal geputzt,” fügte ich an und dass ich Karens Gartenschlauch schon beneide. Mit dem hat sie vorhin den Tisch und die Sessel abgespült, ein fester Strahl, beinahe –

    “Aber jetzt wird’s dann ja langsam vorbei sein.”

    /

    Das Problem: Mensch weiß nicht, dass mensch etwas braucht. Mensch weiß nicht, was mit mensch geschieht, dass etwas geschieht. Mensch weiß nicht, dass andere Menschen es wissen. 

    /

    Ratsch – da fällt das Kluppensackerl zu Boden. “Na sowas!” 

    Karens Stimme. Die Stimme einer ehemals passionierten Raucherin, so wage ich mutzumaßen, mitteltief, leicht belegt, porös, Brustatmung. Eine Stimme, die weiß – die wusste. Meist höre ich sie um Karten feilschen oder um Hotelbuchungen streiten. Ein moderater, selbstbestimmter, etwas schwerfälliger Duktus. 

    /

    In der Szene vorm Wohnhaus, da war sie mitteltief und ruhig. Karens Stimme. Da war sie alles und auch etwas besorgt, da war sie fast – liebevoll. 

    Wenn du etwas brauchst, sag Bescheid. Wir Frauen, wir müssen aufeinander achten. 

    /

    Das Problem: Mensch ist in diesen Momenten keine Frau. Mensch ist ein Objekt, ist körperarm und seelenlos. Ist keine Frau, die auf sich oder andere hätte achten können. Ist: Fraulos.

    /

    Die Sonne brennt steil in den engen Hof. Am Balkongeländer räkeln sich meine Kräuter, im Hof räkelt sich Karen mit dem Rechen, den sie nun schwungvoll unter die Zierbüsche hievt, um auch das letzte Laub von Spätherbst hervorzukehren. In der Luft liegt der Geruch von umgewühlter Erde. Moos. Mitten im heißen Sommertag im Frühling. Moos zwischen den Haaren meiner Unterarme.

    /

    Ich blicke in den Himmel, blicke in eine Wolke. 

    /

    Unten raschelt das Laub. Karen summt. 

    /

    Das Problem: Laub raschelt bestimmter.

  • found wanting

    the djinn met many men like you

    it yawns from above, cristalline

    air in its palm, another

    pebble made from snow, put down

    like a white stone on your path: nudge

    the defection — not a new

    name, but a cold one

    there are those who deserve to be

    touched, and those who may touch

    and those that aren’t allowed neither

    when the djinn beckons come hither

    you shall smudge its copper-rimmed

    eyes while it plucks

    the dawn from your palm

    thoughts are made on the tip

    of fingers, so

    grasp

    those who no longer look

    for solace shall receive it, a humming

    desert and a melting

    stone, refreshing desires, a djinn’s

    hazy hand, to know the graze

    thereof, and know

    the grace thereof – men believe

    with their bodies, faith has to be

    felt in their bones, singe their skin, make

    them tremble

  • soror mystica

    why bother: the crescent moon a giant

    padded bra

    the call to armor, eyeballs

    yellowing, seen enough men

    spewing their own flesh

    men boiling (in purifying flames)

    men melting (off their bones)

    male sacrifice, male suffering, male, malum

    —and you, are you but an angel

    waiting to be ripped

    apart, waiting to ripen

    on parchment, waiting to be taught

    how to coil the sulphur

    make tin scream

    are you

    the lesser metal

    lead

  • imagine Beherit as an all-female band

    you have a holy man’s throat

    the appetite of a hermit

    the blisters of someone possessed

    don’t tell me you’re not struck by those

    tin visions, though there is a calloused

    difference between the shoemaker

    and the mining family spawn

    you have that ecstatic gene, like

    them, like me—only mine has been buried

    in the rubble (stone, helmets and

    Glück auf final greetings)

    yours is intact

    and working, although you’re not

    the kind of heretic you want to be

    nor the kind of heretic you think you are

    your tongue carries the sermon

    curls around the Latin and the Hebrew

    fervently; your tongue

    falls silent when the preaching’s done

    when your hand takes over

    in writing our existence is abundant

    legendary and anonymous

    just choking

    on meaning: if you separate the words

    from the hand you get Scripture

    exegesis gives me a headache

    so I turn to the lesser metals

    and that picture of L-G in which

    he looks so impossibly girly, you wouldn’t

    recognize him if it weren’t for his nose, nearly

    as girly as that guy from Beherit

    indeed, many have mistaken Beherit for an

    all-female band and been surprised

    or impressed, until they’ve found

    out they’re just Finns with long hair

    (one spell broken, another cast)

    in that initial reaction lies the trouble

    so I looked them up just to feel

    that bewilderment when listening

    to Gates of Nanna for the first time

    a cunt changes everything, I know

    that—look at me, look at mine

    at the end of the day I am loved

    for my slit, the anatomy

    professors by the gallows, necessity of

    bodies, tin and your anti-flesh

    musings, the near ditch, afterlives

    and angels—coming together

  • bevor jemand fehlt

    mein verstand zieht kreise
    wird er in jahren auch noch
    funktionieren
    oder auch demyelinisieren
    so wie andere teile
    von mir
    mir kommt schon jetzt vor
    dass ich abbaue
    so viel vergesse
    und mich immer wieder vertu

    ich philosophiere ständig
    über fragen zu leben
    und tod
    als säße ich wieder
    in der vorklinik im hörsaal
    so wie vor 15 jahren
    hätte ich das damals nur gewusst
    wie schnell alles gehen kann
    ich finde diese antwort
    nicht in mir
    aber auch nicht im außen

    befunde, nebenbefunde, zufallsbefunde
    asymptomatisch, oder eben auch nicht
    was haben sie in letzter zeit gefühlt?
    war etwas anders?

    ist mir nicht seit monaten ständig
    schwindelig
    und auf den letzten konzerten
    musste ich beim vorletzten lied
    gehen
    schnell wasser ins gesicht
    und festhalten
    woran kann ich mich gerade festhalten?

    ich bin immer noch nicht
    dünner
    aber meine nervenfasern
    dünnen aus
    welch ironie
    des lebens
    und vielleicht kippt da gerade etwas
    ganz leise
    von werden
    zu vergehen
    von der entwicklung des eigenen lebens
    übers leben gebären
    und jetzt geht es in richtung
    sterben

    man hatte mein 9 monate
    junges baby sediert
    und in eine röhre geschoben
    um gewissheit zu haben
    das geht mit seltenen erkrankungen
    so einher
    ich war nie so erleichtert
    wie damals
    als ich mit 3 ärzten vor den
    bildern saß
    und man mir sagte:
    alles unbedenklich

    unbedenklich
    was ist das überhaupt
    für ein seltsames wort
    nur weil etwas so
    benannt wird
    heißt das ja noch lange nicht
    dass ich nicht darüber nachdenke

    und ich denke sehr oft
    es könnte ein fehler gewesen sein
    sie haben etwas übersehen
    und wir wissen es
    einfach noch nicht
    es war ein wiederholtes
    knapp dran vorbei
    aber schon an alles denken
    wenn sie mich
    nach dutzenden untersuchungen
    in die röhre schieben
    magnetresonanztomographie
    will ich nicht gewissheit
    am liebsten unbedenklichkeit
    für mich
    sondern für sie
    für diese drei menschen
    mit denen ich so gerne ewig leben
    will

    ich denke an iris
    und daran, dass ich nicht
    der grund dafür sein darf
    dass meine kinder
    zu 50 prozent oder mehr
    zu schmerz werden
    weil sie ihre mutter
    viel zu früh
    verloren haben
    es prägt
    verdammt stark
    sie sollen nie zu
    einem großen teil
    aus trauer bestehen

    von longevity träumen andere
    ich träume von september
    von straßen die wir noch nicht kennen
    von ihnen auf der rückbank
    und meerspaziergängen
    von lachen, das nicht optimiert ist
    ich träume von gesundheit
    die uns das leben ermöglicht
    und es nicht ersetzt

    ich will nicht länger leben
    sondern tiefer
    bevor jemand von uns fehlt

  • das ist doch nicht gut das ist alles im raum

    ich sage zu L, aber das wird nie etwas
    und L fragt, von dir aus oder von
    später träume ich, dass ich sage
    ich bin bereit, ein geheimnis zu werden
    für dich

    nach dem aufwachen meine ich es immer noch so
    es passiert ständig alles gleichzeitig ich werde von dir verlassen ich werde von dir geliebt in jeder sekunde
    fliegt etwas durch die luft
    manchmal ist es ein handy manchmal ist es ein buch
    einmal war es die brille
    das ist doch nicht gut
    das ist alles im raum
    ich ziehe um schon wieder immer
    das ist mein zuhause das ist es nicht
    jmd hat mir geschrieben, du willst das doch
    aber das wollte ich dann doch nicht
    und das andere auch nicht
    manchmal sage ich etwas in den raum
    und lege die zeiten übereinander
    jmd schreibt mir, wer hätte gedacht, vor ein paar jahren sah es so aus,
    als würdest du die erste sein mit
    in diesen kategorien denken sie
    ich tue mir schwer zu bleiben ich kann nicht bleiben weil ich ziehe um
    etwas ändert sich immer nur für mich
    ein halbes jahr brauche ich alleine um vorhänge aufzuhängen
    jemand bindet mir ein band um das handgelenk
    ich soll warten auf eine schwalbe
    bevor ich es löse
    etwas ist im raum
    an der wand die uhr aus der küche wo ich gesessen bin und hausaufgaben, B sagt, soll ich sie dir richten
    ich bin diese strecke schon öfter
    aber nicht so nicht
    jmd sagt, und dieser weiße gartenzaun so unwirklich
    dort bin ich eingezogen so unwirklich
    alles passiert ständig
    alles passiert ständig nicht
    ich schleiche durch alle räume
    damit du mich nicht mehr findest
    ein versteck ein geheimnis
    der weiße zaun tragisch
    jmd sagt zu mir, never drop the ball
    und ich fliege von einer treppe
    jmd anderer sagt, wie machst du das alles hast du
    aber ich mache immer zu wenig
    ich mache alles falsch
    seht ihr das nicht
    ich mache alles richtig
    ich esse tryptophanhaltige lebensmittel
    ich trinke 2 liter am tag
    ich trinke gar nichts
    ich empfinde gar nichts
    die karte berühren am fenster rauchen
    die laufschuhe anziehen
    der laptop fällt aus
    wir haben 10 minuten
    in jeder sekunde ziehe ich um
    der raum fliegt durch den raum


  • zu oft kratzt es an der tür

    als ich zum ersten mal vom balkon geblickt habe, dachte ich, hier bleiben in ihrem haus (sie wollte es nur besitzen, nicht darin leben)

    das meiste hat mit zahlen zu tun zb meine eltern waren stolz auf die aussicht, ich könnte eine steuerberaterin werden

    ich jammere nicht, ich bilde summen in excel, mit den antworten bin ich alleine, manchmal ist mir schlecht, kamillentee, schleifen, was

  • DAS ERSTE MAL

    das erste mal 1 horrorfilm geschaut; das 1 mal etwas geklaut; das 1 mal nach dem scheißen keine hände gewaschen; das 1 mal mit absicht keine zähne geputzt; das 1 mal 1 tafel schokolade selbst gekauft & fast im gleichen moment komplett aufgegessen; das 1 mal geküsst, geknutscht, hetero sex, dann lesbischen sex, dann schwulen sex; das 1 mal grindr date; zum 1 mal komplett zerfickt aus der u-uahn stolpern & den weg nach hause nicht finden; das 1 mal gewürgt werden; das 1 mal multiple orgasmen; zum 1 mal komplett aufgelöst